Weich. Fest. Lebendig.

Loop auf der BEFA

Ein unerwarteter Auflauf

Mein erster Rundgang durch die Halle neigt sich dem Ende zu. Die Familienbestatter haben angesprochen und mir dann umgehende einen Beutel Kekse in die Hand gedrückt – ich bin keine Bestatterin, also nicht interessant. Ich lächele und gehe weiter – mit einem leisen Kopfschütteln.

Hinten, um die Ecke, sehe ich einen Besucherauflauf, der verspricht vielleicht Interessanteres.

Camembert?

Ein Flächenstand. Seltsame Objekte. Auf den ersten Blick: fremdartig. Weich, flauschig – aber nicht wie Plüsch. Eher wie ein gereifter Weichkäse, der seine Form noch hält. Ich bin irritiert. Muss zweimal hinschauen. Anderen geht es offensichtlich genauso. Daher der Besucherandrang.

Ich pirsche über den ausgestreute Mulch, der den Stand zu einem Waldstück umgestaltet. Dann begreife ich: Särge. Urnen. Aber aus welchem Material?

Mich überkommt, was jeden neugierigen Kunden überkommt – ich will anfassen. Und ich fühle etwas Seltsames: weich und dennoch fest. Nicht tot. Fast lebendig.

Pilze.

Erst Staunen, dann weitergehen, dann fragen

Das  überzeugt wirklich, ganz ohne Worte: Diese Särge und Urnen sind Handschmeichler. Man will sie nicht loslassen.

Jetzt bin ich wirklich neugierig. Andere auch. Der Stand ist  umlagert. So viele Besucher, die mehr wissen wollen – da hat ein Einzelgespräch keinen Platz. Also setze ich meinen Rundgang erst einmal fort. 

Als ich später vorbeischaue, ist der Stand frei.

Ein junger Niederländer beantwortet meine Fragen geduldig und mit echter Begeisterung. Und er bestätigt, was ich schon vermutet hatte: Ja, es handelt sich tatsächlich um Särge und Urnen, die vollständig aus Pilzen hergestellt werden. Die verrotten. Vollständig. Ideal für naturnahe Bestattungen, Waldfriedhöfe – aber, wo es die Gesetzgebung erlaubt, auch für Gartenbestattungen wie in anderen Ländern.

Das Myzel – ein echter Recycler

eLoop Biotech, ein niederländisches Unternehmen aus Delft, hat dieses biologisch abbaubare Material  entwickelt – und daraus den ersten Pilzsarg der Welt produziert, der in nur sieben Tagen aus lokalen Pilzen und recycelten Hanffasern gezogen wird. Einmal in die Erde eingelassen baut er sich, so die Aussage der Firma, binnen 45 Tagen ab. 

Das Grundmaterial ist Myzel: das unterirdische Pilznetzwerk, das im Wald als weltbester Recycler gilt – es wandelt abgestorbene organische Stoffe in Schlüsselnährstoffe für Pflanzen um. 92 Prozent aller Pflanzenarten sind auf diese Fähigkeit angewiesen. Warum sollte der Mensch davon nicht profitieren – auch im Tod?

Die meisten herkömmlichen Särge, erklärt der junge Mann, werden mit synthetischen Klebstoffen, Metallschrauben und Lacken hergestellt. Die würden bei der Erdbestattung in den Boden gelangen. Ihre Herstellung und ihr Transport würden dann auch noch fossile Ressourcen nutzen. Da sei Loop mit seinen Cocoons anders. Die Produkte seien zertifiziert mit dem Cradle-to-Cradle Gold und GreenLeave.

Der Sarg so die Firma, wüchse in einer Form auf Holzspänen heran. Das Pilzgeflecht fungiere dabei als Bindemittel zwischen den Spänen und mache den Sarg stabil. Nach sieben Tagen sei er fertig gewachsen und werde getrocknet – damit würde dann das Wachstum gestoppt. 

Auch für Einäscherungen geeignet

So mancher am Stand formuliert Einwände: „Wir kremieren meist.“ Auch das sei kein Problem, so die Antwort. Die Produkte seien auch für alle Arten von Bestattungen zertifiziert – Naturbestattung, traditionelle Bestattung und Einäscherung. Und die Urne? Die ist – wie der Sarg – für Naturbestattungen, Friedhöfe und sogar private Gärten geeignet. Die Hinterbliebenen könnten sogar eine Pflanze oder ein Setzling einsetzen, damit ein Gedenkbaum wachsen könne. Drinnen –  im Haus verwahrt – bliebe die Urne vollständig intakt und sei ein dauerhaftes Andenken. Erst mit dem  Erdkontakt beginne die Kompostierung.

Was das für Bestatter bedeutet

Das Interesse auf der BEFA ist also kein Zufall. Loop hat einen echten Hingucker und ein Trendprodukt geschaffen, denke ich mir. Ein interessantes Angebot für die Hinterbliebenen, die nach einem anderen Abschied suchen. Die Nachfrage nach naturnahen Bestattungen wächst. In Niederbayern wirbt bereits das erste Bestattungsunternehmen mit den Särgen und Urnen von Loop. 

Das kann einen echten Mehrwert bieten für Trauernde, die sich das wünschen.

Manchmal braucht es nur den Mut, etwas anfassen zu lassen.

Unterstützung sinnvoll?

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buero(at)impulse-fuer-bestatter.de

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