Der Tannenzapfen
Impressionen von der Forum BEFA 2026
Zwei Hallen, viele Gespräche und rauchende Socken
Zwei Hallen. Hunderte Aussteller. Stunden voller Gespräche, Eindrücke, Gedanken. Die Socken rauchen, der Kopf ist voll. – Ich kenne dieses Gefühl: Irgendwann ist das Aufnahmevermögen ausgeschöpft – ich laufe vorbei, – und hätte doch genauer hinschauen sollen.
So war auch diesmal.
Die Bahn im Sinn
Die Halle liegt schon hinter mir, ich habe das Tor im Blick. Da sitzt ein junger Mann auf dem Sockel eines Flaggenmastes. Rasta-Locken. Wildhüter-Look. Sanfter Blick.
Neben ihm: ein seltsames, braunes Gebilde.
Ich schaue ihn an und lächele. Er reicht mir schüchtern einen Flyer. Ich nehme ihn gerne – streife das Objekt neben ihm noch mit einem Blick.
Während ich einen Fuß vor den anderen setze und an die Bahn denke schaue ich mir den Flyer an: Das war eine Urne! Es klickt: Eine Urne aus echten Tannenzapfen!
Käpyuurna – „Käpy“ heißt Tannenzapfen – auf Finnisch. Jetzt begreife ich: Dieser junge Mann hatte kein Geld für einen Messestand. Er saß draußen. Und wartete, hoffte auf Interesse für seine Urne.
Nicht gepresst - nicht gefaltet
Diese Urnen sind handgefertigt in Finnland, aus einheimischen Zapfen. Biologisch abbaubar. Jede Urne ein Einzelstück. Die Website von Käpyuurna zitiert die finnische Dichterin Eeva Kilpi:
„In mir blüht eine Landschaft, die nur diese Vergänglichkeit von der umgebenden Natur trennt.“
Ich habe das erst spät gelesen.
Der Trend zu Nachhaltigkeit und Natürlichkeit
Die Käpyuurna steht für einen Trend, der auf der Befa 2026 zu sehen war: den Wunsch nach Nachhaltigkeit und Natürlichkeit.
Urnen aus Ton, Spelzen, Papier, Holz – biologisch abbaubare Formen des Abschieds, die in der Erde vergehen. Kein Lack, kein Metall, keine Ewigkeit aus Stein. Sondern: Rückkehr zur Natur.
Dieser Trend ist nicht neu, doch er wächst. Und er kommt nicht immer aus den großen Hallen. Das Material kehrt in die Natur zurück – und wird, so beschreibt es Käpyuurna, zu nährstoffreichem Boden für neues Leben.
Der Sockel ist leer
Im Heimgehen denke ich an ihn. Ich bedauere, nicht mehr Zeit investiert zu haben. Nicht gefragt zu haben, was hinter dem Produkt steckt. Wer er ist. Wie er auf die Idee kam. Das will ich am nächsten Tag nachholen. – Doch da ist der junge Mann nicht mehr da. Das Gespräch kann ich nicht mehr nachholen.
Und ich frage mich: Wie viele Ideen wie diese gibt es – die nie einen Messestand bezahlen können, nie in einen Katalog kommen, nie von einer Einkaufsabteilung entdeckt werden?
Falls Sie neugierig geworden sind auf den Tannenzapfen, klicken Sie einfach auf den Link: www.kapyurn.com