So können Sie den Kontakt zu "Ihren" Hinterbliebenen halten
Viele Bestatter sind zurückhaltend, wenn es um die Kontaktpflege zu den Hinterbliebenen geht. Ja, da ist das Wettbewerbsrecht, aber viele haben mehr Probleme mit der Zeit und der Frage nach passenden Gelegenheiten.
Gerade wenn es um passende Gelegenheiten geht, dann bietet uns das Brauchtum rund ums Kirchenjahr eine Fülle an Gelegenheiten.
Karfreitag und Ostern z.B. bieten Bestattern eine wunderbare, aber oft unterschätzte Gelegenheit, eine leise, aber prägende Verbindung zu ihren Hinterbliebenen zu halten. Ostern wird häufig dominiert durch den Gedanken an das Familienfest, mit Ostereiersuchen und großen Familienessen. Doch Ostern ist auch das bedeutendste Kirchenfest im christlichen Kirchenjahr mit dem Tode Christi und seiner Auferstehung.
Gerade in dieser Zeit, in der viele Menschen stiller unterwegs sind und sich stärker an die Verstorbenen erinnern, können einfache, herzliche Gesten einen großen Unterschied machen – insbesondere für alleinstehende oder besonders isolierte Hinterbliebene.
Die Bedeutung von Karfreitag für Trauernde
Karfreitag ist im Christentum ein Tag der Trauer. An diesem Tag starb Jesus am Kreuz von Golgatha, die Bibel berichtet, wie das Wetter umschlägt im Moment seines Todes. Die Welt scheint mit zu trauern und still zu stehen, hüllt sich in Dunkelheit. – Für viele Trauernde ist dieser Tag ein Spiegel ihrer eigenen Situation: Still, dunkel, voller Schmerz – und doch mit der Hoffnung verbunden, dass sie nicht allein sind.
In unserer Gesellschaft ist diese Bedeutung in Teilen untergegangen. Das wird besonders deutlich, wenn wir die Diskussion um das Freigeben von lauten Tanzveranstaltungen und ähnliche Initiativen sehen.
Doch Glaube und Bräuche können gerade in Zeiten der Trauer eine besondere Bedeutung gewinnen. Als Bestatter ist es sinnvoll sich das bewußt zu machen: Sie können die Situation indem Sie zeigen, dass Sie sich an den Verstorbenen und die Hinterbliebenen erinnern – nicht nur in der ersten Trauerphase, sondern auch in den stillesten Feiertagen. Karfreitag lädt geradezu dazu ein, Zuwendung in Form kleiner, persönlicher Zeichen zu geben statt großer Gesten.
Kleine Gesten, große Wirkung
Für viele Hinterbliebene ist Karfreitag kein „normaler“ Ferientag, sondern ein Tag, an dem die Abwesenheit des Verstorbenen besonders deutlich wird. Gerade alleinstehende oder ältere Menschen fühlen sich an diesem Tag häufig besonders einsam. Die aktuelle Werbung vertieft diese Gefühle häufig noch mit Bildern von fröhlichem Ostereiersuchen oder Osteressen in großer Runde. Hier für die „eigenen“ Hinterbliebenen dazusein und ihnen zu zeigen: „Wir denken an Sie“ ist nicht nur eine Marketingmaßnahme oder eine simple Kontaktpflege. Gerade für das Gegenüber ist es oft mehr.
Was bitte darf es sein?
Welche Gesten passen in eine solche Zeit und zu einer solchen Gelegenheit? Es sind Gesten, die den größten Schmerz mildern helfen:
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Eine kurze, handgeschriebene Karte oder Postkarte mit einem kurzen Gruß und einem Bild (z.B. eines Kreuzes, einer Kerze oder eines Osterlammes).
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Ein kleines Päckchen mit selbstgebackenen Karfreitagsbrötchen.
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Ein E-Mail- oder SMS-Gruß mit einem kurzen Angebot: „Wenn Sie heute Abend reden möchten, rufen Sie uns einfach an.“ – Wichtig ist dabei, dass der Ton weder flapsig noch übertrieben religiös wirkt, sondern einfach persönlich.
Die Gesten, die das Kernbedürfnis treffen, sind am wertvollsten
Allein gelassen zu sein, kann gerade für Hinterbliebene an solchen Feiertagen das vordringlichste Gefühl werden. Daher sind Gemeinschaftsaktivitäten so besonders wichtig.
- Das gemeinsame Backen
- Ein Karfreitagskaffee
- ein Karfreitagsessen
- ein Anruf…
All diese Bemühungen zeigen Ihren besonderen Einsatz, denn Sie konzentrieren sich nicht nur auf die eigenen Familie und sich, sondern Sie denken tatsächlich an „Ihre“ Kunden – und Sie sind bei ihnen, wenn es drauf ankommt.
Sie müssen nicht alles selber machen
Viele Bestatter stöhnen jetzt: „Das kann ich nicht auch noch alles leisten!“ – Stimmt. Aber Sie müssen nicht alles selber machen. Sie können auch delegieren oder Partner finden:
- Eine Bäckerei backt für Sie …
- In der Volkshochschule finden Sie eine Kursleitung, die das gemeinsame Backen organisiert…
- Ein Cafe oder eine Selbshilfegruppe richtet den Karfreitagskaffee aus …
- ein Karfreitagsessen wird in einem örtlichen Restaurant gebucht, und jeder kann sich dafür anmelden…
All diese Bemühungen zeigen Ihren besonderen Einsatz, auch wenn Sie nicht alles selbst ausrichten, organisieren oder durchführen.
Karfreitagsbrötchen als Symbol und Geschenk
Karfreitagsbrötchen ( engl. Hot Cross Buns) z.B. als Ostergeschenk sind eine gute Symbolbrücke zwischen Trauer und neuem Leben. Das Kreuz auf dem Brötchen steht für Kreuz und Auferstehung, der süße, weiche Teig erinnert an die Wärme menschlicher Fürsorge. Wer sie selbst backt, signalisiert: „Ich habe heute an Sie gedacht.“
Übrigens: In vielen Regionen Deutschlands und anderen Teilen Europas ist es Tradition, zu Karfreitag ein besonderes Gebäck zu backen. Die Karfreitagsbrötchen sind eine solche Tradition, die ursprünglich in Norddeutschland verbreitet war. Sie symbolisieren nicht nur den christlichen Kontext des Karfreitags, sondern auch die Kultur des gemeinsamen Genusses und des Zusammenhalts an diesem Tag. In vielen Haushalten wird ein süßes Hefegebäck mit Rosinen oder anderen Trockenfrüchten gebacken. Es ist ein Gebäck, das in der christlichen Tradition als Symbol für den Verzicht auf Fleisch und für die Feier des Leidens und der Auferstehung Jesu Christi verstanden wird.
Hier ein paar einfache Rezepte:
Rezept: Einfache Karfreitagsbrötchen
Zutaten (ca. 12 Brötchen):
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500 g Weizenmehl (Type 550)
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75 g Zucker
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1 Päckchen Trockenhefe (7 g)
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1 TL Salz
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1 TL Zimt
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300 ml lauwarme Milch
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1 Ei
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50 g Butter
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150 g Rosinen
Kreuz-Paste: 2–3 EL Mehl, 2–3 EL Wasser, Puderzucker.
Zubereitung: Teig kneten, 1–1,5 Std. gehen lassen, Brötchen formen, Kreuz aufspritzen, 20–25 Min. bei 180 °C backen.
Das Rezept stammt von dem Blog: https://www.zimtblume.de/hot-cross-buns/. Dort finden sich auch wunderbare appetitliche Bilder und eine genaue Anleitung zur Zubereitung.
Schokoladen-Karfreitagsbrötchen (mit Schokosplittern)
Zutaten:
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450 g Dinkel- oder anderes Mehl
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20 g frische Hefe
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200 ml Milch
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50 g Butter
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50 g brauner Zucker alternativ: Honig, Ahornsirup oder Muscovado
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1 Ei
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100 g Schokosplitter
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½ TL Zimt
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Prise Salz
Zubereitung:
Die Milch und Butter leicht erwärmen, die Hefe und den Zucker darin auflösen. Mehl, Gewürze und Ei mischen, dann die Milch-Hefe-Mischung dazugeben und zu einem glatten Teig verarbeiten. Etwa 1 Stunde gehen lassen und Schokosplitter unterkneten. In 8 Portionen teilen und backen.
Mit Mehl‑Sirup‑Mischung (2 EL Mehl + 1 EL Ahornsirup + Wasser) Kreuze malen und bei 175 °C ca. 20 Min. backen. Dieses Rezept stammt ursprünglich von dem Blog: https://www.lebkuchennest.de
Dort findet sich eine präzise Anleitung mit hilfreichen Bildern unterlegt.
Vegane & glutenfreie Karfreitagsbrötchen
(ohne Hefe, ohne Gluten ist es gut für Allergiker)
Zutaten (für 6 Brötchen):
- 120 g Buchweizenmehl, Hirsemehl oder Amaranthmehl
- 120 g Reis‑Mehl, Kartoffelmehl oder Maismehl
- 30 g Mais- oder Kartoffelstärke
- 1 ½ TL Backpulver
- 100 g Rosinen
- 120 g gekochter pürierter Kürbis, alternativ: Apfelmus oder Süßkartoffelpüree
- 70 g Ahornsirup oder Kokoszucker
- 350 ml Wasser
- Gewürze nach Geschmack (z. B. Zimt, Nelke oder Muskatnuss)
Für die Kreuze:
- 1 EL Reis‑Mehl
- 1 TL Buchweizenmehl
- 2–3 EL Wasser
Reis- und Buchweizenmehl lassen sich durch Hirse- und/oder Maismehl ersetzen.
Glasur:
- 1 EL Kokoszucker + 1 TL heißes Wasser
Zubereitung:
- Ofen auf 210 °C vorheizen.
- Kürbis, Zucker und Wasser mixen, dann mit den trockenen Zutaten vermengen (ohne dass Klumpen entstehen).
- Mit nassen Händen 6 Bällchen formen, auf Backblech setzen und mit Kokos‑Zucker‑Glasur bestreichen.
- Kreuz‑Mischung in Spritzbeutel füllen, Kreuze darauf setzen.
- 25–30 Min. backen.
Rezept stammt ursprünglich von dem Blog: https://theveganmonster.de.
Dort findet sich eine ausführlichere Anleitung mit anschaulichen Bildern.
Fazit: Karfreitag ist ein guter Anlass, den "eigenen" Kunden Nahe zu sein
Karfreitag bietet Ihnen die Möglichkeit, über kleine, aber bedeutungsvolle Gesten wie das Backen von Karfreitagsbrötchen Ihre Verbindung zu den Hinterbliebenen zu zeigen. Der Tag hat nicht nur für die christliche Gemeinschaft eine hohe Bedeutung, sondern stellt auch eine wertvolle Gelegenheit dar, Hinterbliebene in ihrer Trauer zu begleiten und zu unterstützen. Besonders für alleinstehende Trauernde, die vielleicht keine familiäre Unterstützung haben, können solche Gesten ein wichtiger Schritt in Richtung Gemeinschaft und Heilung sein.