Trauer kennt keine Grenzen – auch nicht zwischen Mensch und Tier

Trauerschmuck - ein Trend auf der BEFA

Was mir auf der BEFA auffällt

Softwareanbieter, Fahrzeuge, Särge, Transporthelfer… Die BEFA zeigt die volle Breite der Branche. Während ich so von Stand zu Stand gehe, registriere ich: „Hier sind aber viele Anbieter von Trauerschmuck vertreten.“  Viele haben ihr Sortiment auf für eine Zielgruppe ausgeweitet,, noch vor wenigen Jahren hätte das auf einer Bestattungsmesse kaum eine Rolle gespielt hätte: Tierliebhaber.

Frank Schöneberg mit seiner Marke schoen-e-berg, Jewel Concepts und Algordanza – sind noch eher konservativ unterwegs. Jeder mit einem anderen Ansatz, jeder mit einem eigenen Handwerk. Mittlerweile aber sind neue Anbieter dazu gekommen und z.T. wurden Eigenmarken gegründet. Liv’s Memories, die mir schon in Dresden aufgefallen sind, abar auch die anderen neueren Anbieter präsentieren fast alle Trauerschmuck für das verstorbene Haustier – offensiv neben dem klassischen Trauerschmuck.

Das ist kein Zufall.

Ein Markt im Wachsen

In Deutschland leben rund 34 Millionen Haustiere – in nahezu jedem zweiten Haushalt mindestens eines. Der deutsche Markt für Tierbestattungen wurde 2024 auf rund 116 Millionen US-Dollar geschätzt und soll sich bis 2030 fast verdoppeln, mit einer jährlichen Wachstumsrate von gut zehn Prozent.

Mittlerweile gibt es  in Deutschland rund 160 Tierfriedhöfe, auf denen jährlich etwa 10.000 Haustiere beigesetzt werden. Daneben arbeiten rund 300 spezialisierte Tierbestatter. Und seit 2015 bieten manche Friedhöfe sogar die Mensch-Tier-Bestattung an – Frauchen oder Herrchen können sich neben ihrem Haustier beisetzen lassen. 

Die gesellschaftlichen Ursachen: Räumliche und zeitliche Mobilität zerfasern Familien- und Freundschaftsbande – Haustiere füllen diese Lücke als treue Gefährten. Wer allein lebt, wer weit weg von Familie ist, wer den Hund oder die Katze täglich um sich hatte – für den ist dieser Verlust real und tief. Und er verdient einen würdevollen Rahmen. 

Was die Anbieter zeigen

Die Bandbreite auf der BEFA fällt auf. Liv’s Memories bietet Schmuckstücke mit dem originalen Pfotenabdruck an, befüllt mit einer Felllocke oder Asche des Tieres. Frank Schönebergs schoen-e-berg verarbeitet in seiner Edelstahlmünze JARO Erinnerungsmaterial wie Tierasche, Haare oder Erde vom Beisetzungsort in präziser Handarbeit. 

Und dann Algordanza: Seit 2025 bietet Algordanza in Deutschland und Österreich unter der Partnermarke Semper Fides die Transformation von Erinnerungsdiamanten aus der Kremationsasche, dem Fellkleid oder den Haaren von Tieren an. Wenn aus der Asche eines Haustieres ein Diamant entsteht, wird Vergänglichkeit in etwas Bleibendes verwandelt – so beschreibt das Unternehmen selbst den Gedanken dahinter.

Warum das für Bestatter relevant ist

Ein wichtiger rechtlicher Unterschied, der für Bestatter interessant ist: In Deutschland herrscht für menschliche Asche Bestattungszwang – die Asche eines Haustieres hingegen darf zu Hause aufbewahrt oder in Schmuck verarbeitet werden. Das macht Tier-Erinnerungsschmuck in mancher Hinsicht zugänglicher und ist ein Gesprächsöffner, den kluge Bestatter nutzen können.

Bei einer Tierbestattung werden heute nahezu alle Leistungen durchgeführt, die auch bei der Bestattung eines Menschen vorgesehen sind – von der Erdbestattung bis zur Einäscherung mit Urne. Die Neuentwicklungen gehen noch weiter: 2024 wurde in Schwäbisch Hall die erste Anlage zur Aquamation von Tieren in Deutschland in Betrieb genommen – ein wasserbasiertes Verfahren ohne Feuer und ohne Schadstoffemissionen.

Ein Signal an die Branche

Was die BEFA zeigt: Trauerschmuck-Anbieter haben erkannt, dass Tierliebhaber eine Zielgruppe sind, die ernstzunehmen ist – emotional wie wirtschaftlich. Für Bestatter, die ihr Angebot erweitern oder Kooperationen aufbauen wollen, ist das ein klarer Trend.

Trauer kennt keine Grenzen. Auch nicht zwischen Mensch und Tier.

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