Ausbildung – Qualifikation

Wie werde ich Bestatter?

Eine Übersicht für alle, die ernsthaft nachdenken

08. September 2026 · 15 Minuten Lesezeit · Ausbildung & Beruf

Ein Anruf. Eine Frage. Kein Umweg.

„Ich möchte Bestatter werden. Wie fange ich an?“

Diese Frage wird mir öfter gestellt, als man vermuten würde. Von Menschen in der Mitte des Lebens, die einen Sinn suchen. Von Pflegekräften, die das Ende begleiten wollen, nicht nur den Weg dahin. Von Tischlern, die schon immer Särge gebaut haben und jetzt den nächsten Schritt gehen wollen. Von jungen Menschen, die nach ihrer Ausbildung suchen und sich nicht um den schiefen Blick der Verwandten scheren.

Allen ist eines gemeinsam: Sie haben ernsthaft darüber nachgedacht. Manchmal lange. Sie machen es sich nicht leicht.

Dieser Artikel gibt einen ehrlichen Überblick. Was ist möglich? Was kostet es? Wie lange dauert es? Und was bringt es wirklich?

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Wie werde ich Bestatter? Hauptpfad Schulabschluss Bestattungsfachkraft Duale Ausbildung, 3 Jahre Geprüfter Bestatter HWK-Fortbildungsabschluss Bestattermeister Höchster handwerksrechtlicher Abschluss Quereinstieg Quereinstieg / anderer Beruf Praxis im Bestattungsunternehmen Mehrjährige Tätigkeit Geprüfter Bestatter HWK-Fortbildungsabschluss Bestattermeister Höchster handwerksrechtlicher Abschluss Parallele Qualifikationen Bestattungsfachwirt (IHK) Kaufmännische Spezialisierung Keine Voraussetzung für Meister oder Geprüften Bestatter Verbandsgeprüfter Bestatter (VuB) Verbandszertifikat Kein staatlich anerkannter Fortbildungsabschluss Blau: Ausbildung Grün Gelb Orange Grau: Quereinstieg Der Beruf des Bestatters ist nicht zulassungspflichtig. Die dargestellten Aus- und Fortbildungswege sind freiwillige Qualifikationen.

Zunächst das Wichtigste: Bestatter ist kein geschützter Beruf

Das ist ein Fakt, den viele nicht kennen – und der viele weitere Punkte erklärt.

In Deutschland gibt es keinen Meister- oder Ausbildungszwang im Bestattungsgewerbe. Die Gewerbeanmeldung genügt, um ein Bestattungsunternehmen zu eröffnen. Keine Ausbildung, kein Nachweis, keine Prüfung. Das Bestattungsgewerbe ist zwar dem Handwerk zugeordnet – aber als handwerksähnliches Gewerbe in der Anlage B 2 der Handwerksordnung. Das bedeutet: freier Marktzugang.

Es ist wichtig zu wissen: Die Gewerbeanmeldung ist der rechtliche Einstieg. Für den tatsächlichen Betrieb müssen jedoch die jeweiligen landesrechtlichen Bestattungsgesetze erfüllt werden – sie regeln hygienische und betriebliche Anforderungen: Welche Fahrzeuge sind geeignet, auch Kühlmöglichkeiten und Aufbewahrungsräume. Wer glaubt, mit einem Gewerbeschein sofort loslegen zu können, wird schnell auf die Landesgesetze stoßen, die die Anforderungen konkretisieren.

Das klingt bürokratisch. Ist es auch. Und dahinter steckt eine gute Absicht.

Wer Familien betreut, die gerade einen Menschen verloren haben, trägt eine außerordentliche Verantwortung. Fachkenntnis, Verlässlichkeit und ein respektvolles Auftreten sind keine Option, sondern das Fundament des Berufs. Solange keine gewerberechtlichen Untersagungsgründe vorliegen, bestehen dabei grundsätzlich nur geringe Zugangshürden. Das schafft Raum für seriöse Anbieter – und leider auch für weniger seriöse. Und denen soll das Leben durch die gesetzlichen Vorschriften schwer gemacht werden.

Genau deshalb lohnt es sich, die Ausbildungswege ernstzunehmen – auch wenn niemand dazu zwingt.

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„Eine solide Ausbildung macht es Ihnen leichter, gute Arbeit abzuliefern.“

Claudia Grötzebach

Bin ich für den Beruf geeignet?

Diese Frage stellt sich vielen leider erst nach der Entscheidung für eine Ausbildung. Dabei sollte sie vorher gestellt werden.

Bestatter zu sein bedeutet nicht nur, Trauerfeiern zu organisieren. Es bedeutet auch:

Nachts ans Telefon zu gehen, wenn jemand verstirbt. Verstorbene zu überführen – manchmal nach Unfällen, Suiziden oder langen Krankheiten. Mit Angehörigen zu sprechen, die kaum stehen können vor Erschöpfung und Trauer. In sehr kleinen Betrieben fast alles selbst zu erledigen: Büro, Beratung, Überführung, Trauerfeier, Abrechnung, Behördengänge.

Was hilft:

  • Emotionale Stabilität und die Fähigkeit zur Abgrenzung
  • Organisationstalent und Zuverlässigkeit
  • Einfühlungsvermögen – mit professioneller Distanz gepaart
  • Bereitschaft zu unregelmäßigen Arbeitszeiten
  • Körperliche Belastbarkeit (Überführungen, Grabtechnik)
  • Führerschein der Klasse B (in der Praxis unerlässlich)

Was den Berufsalltag prägt: Bestatter arbeiten nicht  von 8 – 17 Uhr. Todesfälle passieren nachts, an Wochenenden, an Feiertagen. Rufbereitschaft gehört zum Berufsalltag – das heißt: erreichbar sein, auch wenn man eigentlich frei hat, und auf Abruf tätig zu werden. Der Einsatz selbst zählt als Arbeitszeit, die Wartezeit in der Regel nicht. Wer das nicht einkalkuliert, erlebt schnell, dass der Beruf mehr fordert, als die Stellenanzeige ahnen lässt.

Viele Betriebe lösen das durch rotierende Bereitschaften. Wer allein oder in sehr kleinem Team arbeitet, hat deutlich häufiger Dienst.

Ein letzter Punkt: Der Umgang mit Verstorbenen lässt sich nicht wirklich simulieren. Ein Praktikum – mindestens zwei Wochen – ist kein Nice-to-have. Es ist die einzige echte Möglichkeit zu prüfen, ob der Beruf wirklich passt.

Was tun Bestatter den ganzen Tag?

Das ist eine häufige Frage – und eine, die in vielen Ausbildungsratgebern fehlt.

Ein typischer Arbeitstag in einem mittelgroßen Bestattungsunternehmen beginnt mit der Abarbeitung eingegangener Sterbefälle: Rückmeldung an Angehörige, Koordination mit Krankenhaus oder Pflegeeinrichtung, Einleitung der Überführung. Dann folgen Beratungsgespräche mit Familien, die Bestattung planen. Auswahl von Sarg oder Urne, Klärung von Bestattungsart, Friedhof, Redner, Floristen. Behördengänge: Sterbeurkunde, Abmeldungen, Versicherungen, Anzeigen und Trauerdruck erstellen. Vorbereitung der Trauerfeier: Dekoration der Trauerhalle, Koordination von Trauerredner und Musik. Die hygienische Versorgung der verstorbenen Person. Und schließlich die eigentliche Bestattung: Einsargung, Transport, Begleitung der Zeremonie, Grablegung.

Daneben läuft das Büro: Rechnungen, Vorsorgeverträge, Lieferantenkoordination, Marketing, Trauerreden vorbereiten In größeren Betrieben sind diese Aufgaben auf Rollen verteilt. In kleinen übernimmt eine Person vieles davon selbst.

Was kaum jemand ahnt: Der Anteil an Büro- und Verwaltungsarbeit ist erheblich. Wer glaubt, hauptsächlich draußen tätig zu sein, wird überrascht. Und wer glaubt, hauptsächlich im Büro zu sitzen, auch.

„Bestatter müssen hart im Nehmen sein.“

Claudia Grötzebach

Die Ausbildungswege im Überblick

Es gibt nicht den einen Weg. Es gibt mehrere – und sie führen auf verschiedenen Pfaden zum selben Ziel.

Weg 1: Die duale Ausbildung zur Bestattungsfachkraft

Die Ausbildung zur Bestattungsfachkraft ist seit dem 1. August 2007 ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf (Verordnung vom 7. Mai 2007, BGBl. I S. 673). Zuvor lief sie seit dem 1. August 2003 als befristete Erprobungsverordnung – ein geregelter Probebetrieb vor der endgültigen Anerkennung. (Quelle: BBS Springe, Gesetze im Internet / BestAusbV)

Drei Jahre, dual – das heißt: Betrieb und Schule gleichzeitig.

Die Ausbildung läuft auf drei Gleisen:

  • Im Ausbildungsbetrieb – der praktische Alltag, von der Überführung bis zur Trauerfeier
  • In der Berufsschule – zwei Standorte in Deutschland: Wermelskirchen (Berufskolleg Bergisch Land) und Springe (BBS Springe), Blockunterricht
  • Im Bundesausbildungszentrum der Bestatter (Theo-Remmertz-Akademie, Münnerstadt) – drei Pflicht-Unterweisungsblöcke: Grab- und Bestattungstechnik (2 Wochen), Hygienische Versorgung Verstorbener (1 Woche), Trauerpsychologie und Beratungsgespräch (2 Wochen)

Kein Schulabschluss ist formal vorgeschrieben, aber die meisten Betriebe bevorzugen Haupt- oder Realschulabschluss. Wer Abitur mitbringt, kann unter Umständen verkürzen.

Dauer: 3 Jahre (Vollzeit), Verkürzung möglich

Vergütung: Die Ausbildungsvergütung variiert je nach Betrieb, Tarifbindung und Region. Maßgeblich sind mindestens die gesetzlichen Mindestausbildungsvergütungen, die vom BIBB (Bundesinstitut für Berufsbildung) jährlich angepasst und im Bundesgesetzblatt veröffentlicht werden. Für 2026 beträgt die gesetzliche Untergrenze 724 Euro im ersten Lehrjahr, 854 Euro im zweiten und 977 Euro im dritten. Der BDB empfiehlt seinen Mitgliedsbetrieben darüber hinaus bedarfsgerecht angepasste Sätze. Aktuelle Zahlen finden Sie beim BIBB unter bibb.de. Hinzu kommt die Empfehlung des BDB, Fahrt-, Übernachtungs- und Verpflegungskosten für die Blockunterrichtsreisen zu übernehmen.

Nach der Ausbildung: Das Einstiegsgehalt liegt je nach Region, Betriebsgröße und Tarifbindung in unterschiedlichen Bereichen. Orientierungswerte aus Branchenquellen nennen Einstiege zwischen 2.000 und 2.800 Euro brutto, im öffentlichen Dienst nach TVöD teils darüber. Für verbindliche aktuelle Zahlen empfiehlt sich eine Anfrage beim zuständigen Landesverband oder der HWK.

Bewerberlage: Die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen übersteigt das Angebot nach Einschätzung des BDB deutlich. Präzise Bewerber-zu-Platz-Quoten werden nicht öffentlich veröffentlicht; Interessenten sollten direkt bei Betrieben und Innungen nachfragen.

Umschulung: Wer bereits einen anderen Beruf hat, kann sich zur Bestattungsfachkraft umschulen lassen – die verkürzte Variante dauert zwei Jahre und kann über einen Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit gefördert werden.

Weg 2: Der Geprüfte Bestatter – der Weg für Berufserfahrene

Der Geprüfte Bestatter ist die klassische Weiterbildung für all jene, die bereits im Bestattungswesen arbeiten – oder den Quereinstieg mit Berufspraxis verbinden wollen.

Voraussetzungen für die Prüfungszulassung (kein Lehrgang notwendig, nur Praxisnachweis):

  • Tischlerausbildung + 2 Jahre Berufspraxis in einem Bestattungsunternehmen, oder
  • Kaufmännische Ausbildung + 2 Jahre Berufspraxis, oder
  • 5 Jahre Mitarbeit in einem Bestattungsunternehmen ohne anderen Abschluss

Im Einzelfall können auch andere Voraussetzungen zur Zulassung führen; die Entscheidung liegt beim Prüfungsausschuss der HWK.

Der Lehrgang: Mindestens 200 Stunden, aufgeteilt in ca. 60 Stunden Praxis und 140 Stunden Theorie. Modular aufgebaut, berufsbegleitend.

Dauer: Je nach Anbieter 6 bis 9 Monate, berufsbegleitend

Prüfung: Vor der Handwerkskammer Düsseldorf oder HWK Unterfranken (Würzburg)

Kosten des Lehrgangs: Für Nichtmitglieder durchschnittlich 3.500 Euro zzgl. MwSt. und Prüfungsgebühr. Für Verbandsmitglieder teils günstiger – im Saarland z.B. 2.700 Euro ohne MwSt.

Hinweis zur Ausbildungsberechtigung: Vielfach wird der Geprüfte Bestatter als Voraussetzung genannt, um Lehrlinge ausbilden zu dürfen. Rechtlich hängt die Ausbildungsberechtigung an mehreren Faktoren: der fachlichen Eignung (Geprüfter Bestatter, Tischlermeister mit Bestattungspraxis oder 6 Jahre Selbstständigkeit/Anstellung), der persönlichen Eignung sowie den betrieblichen Voraussetzungen. Wer ausbilden möchte, sollte die genauen Anforderungen vorab mit der zuständigen Handwerkskammer klären.

Weg 3: Der Bestattermeister – die höchste Stufe

Der Bestattermeister ist der höchste handwerksrechtliche Abschluss im Bestattungswesen.

Voraussetzung: Geprüfter Bestatter oder Bestattungsfachkraft (mit entsprechender Berufspraxis).

Besonderheit für Inhaber eines anderen Meisterbriefs: Wer bereits Meister in einem anderen Handwerk ist – egal ob Tischler, Schreiner, Maler, Elektriker oder ein anderes Gewerk – muss die allgemeinen Prüfungsteile III und IV (Recht und Wirtschaftskunde sowie Arbeitspädagogik) nicht wiederholen. Diese Teile gelten gewerkeübergreifend. Nur die fachspezifischen Teile I und II des Bestatterhandwerks müssen neu abgelegt werden. Der Tischler wird in der Branchenkommunikation am häufigsten genannt – weil er historisch der häufigste Quereinsteiger ist. Das Recht auf Anrechnung gilt aber für jeden Meisterbrief.

Dauer: 6 Monate bis 3 Jahre (je nach Vollzeit oder Teilzeit)

Kosten: Variieren je nach Anbieter und Vorqualifikation. Für Meister anderer Gewerke beginnen spezielle Vorbereitungslehrgänge bei ca. 1.600 Euro (Mitglieder) bzw. 1.750 Euro (Nichtmitglieder).

Prüfung: HWK Düsseldorf oder HWK Unterfranken

Weg 4: Der Bestattungsfachwirt (IHK)

Eine kaufmännisch ausgerichtete Weiterbildung – weniger auf handwerkliche Praxis ausgerichtet, mehr auf Unternehmensführung, Recht, Controlling und BWL.

Voraussetzung: Mindestens 2 Jahre Berufserfahrung

Dauer: 1,5 Jahre, berufsbegleitend

Prüfung: Dezentral über die IHK-Kammern

Hinweis: Zwischen Bestattungsfachwirt und Geprüftem Bestatter gibt es Überschneidungen – wer beides anstrebt, sollte die Reihenfolge vorab klären, da Anrechnungen möglich sind.

Weg 5: Der Verbandsgeprüfte Bestatter (VuB)

Ein Sonderfall, den man kennen muss – und der häufig mit dem Geprüften Bestatter verwechselt wird.

Der Verbandsgeprüfte Bestatter ist kein staatlich anerkannter Abschluss, sondern ein verbandseigenes Zertifikat des Verbands unabhängiger Bestatter (VuB). Es bestätigt die fachliche Qualifikation sowie den pietätvollen Umgang mit Angehörigen und Verstorbenen. Prüfung: durch den VuB selbst, nicht vor einer HWK. Beide Abschlüsse – Geprüfter Bestatter (HWK) und Verbandsgeprüfter Bestatter (VuB) – verfolgen unterschiedliche Ziele und richten sich teilweise an unterschiedliche Zielgruppen.

Wichtig: Wer einen handwerksrechtlich anerkannten Abschluss anstrebt, muss den Weg über die HWK gehen.

Wer bietet die Ausbildungen an?

Die Ausbildungslandschaft ist dezentraler, als man denkt – und es gibt auch Anbieter außerhalb des Verbandssystems

Verbandsnah / handwerklich anerkannt:

Bundesausbildungszentrum der Bestatter – Theo-Remmertz-Akademie, Münnerstadt Das Herzstück der Branche. Hier findet die überbetriebliche Ausbildung der Bestattungsfachkräfte statt, hier laufen die Vorbereitungslehrgänge für Geprüften Bestatter und Bestattermeister, hier gibt es alle Spezialisierungen (Thanatopraktiker, Kremationstechniker, Bürokommunikationsfachwirt etc.). BDB-nah, bundesweit ausgerichtet. Ca. 500 Lehrlinge pro Jahr.

DIB / Holzfachschule Bad Wildungen Das Deutsche Institut für Bestattungskultur ist die Weiterbildungseinrichtung der Landesverbände Hessen und Rheinland-Pfalz – und ein vollwertiger Alternativanbieter. Geprüfter Bestatter, Bestattermeister, DIN EN 15017-Zertifizierung, Spezialseminare. Zwei Meisterlehrgänge pro Jahr.

Tischler Nord – Verband des Tischlerhandwerks Niedersachsen/Bremen Vorbereitungslehrgänge zum Bestattermeister für Meister anderer Handwerke, insbesondere Tischler.

Bestatter Saarland Regionale Vorbereitungslehrgänge zum Bestattermeister.

Landesverbände NRW, Niedersachsen, Hessen, Saarland Vorbereitungslehrgänge zum Geprüften Bestatter, jeweils über die angegliederten Weiterbildungseinrichtungen.

Verbandsunabhängig:

Bestatter-Akademie, Gummersbach Ein verbandsunabhängiger privater Anbieter – und mehr als ein reiner Seminaranbieter. Das Kernangebot ist die Bestattungsbegleiter:in (IHK): eine strukturierte Weiterbildung über neun Präsenzmodule und rund 237 Stunden, verteilt über eineinhalb Jahre. Partner und Prüfungsstelle ist die IHK Oldenburg. Absolventinnen und Absolventen erhalten ein Zertifikat der IHK Oldenburg sowie ein Zertifikat der Bestatter-Akademie. Kosten: 7.500 Euro brutto. Zielgruppe sind ausdrücklich Quereinsteiger, Existenzgründer und Mitarbeitende ohne Vorkenntnisse.

Das IHK-Zertifikat ist kein handwerksrechtlich anerkannter Fortbildungsabschluss – es ist eine IHK-zertifizierte Weiterbildung. Die regulären Zulassungswege zum Geprüften Bestatter sind in der HWK-Prüfungsordnung klar definiert; das IHK-Zertifikat der Bestatter-Akademie taucht dort nicht auf. Die Prüfungsordnung enthält jedoch eine Öffnungsklausel (§ 2 Abs. 3): Wer glaubhaft macht, vergleichbare Kenntnisse erworben zu haben, kann im Einzelfall zugelassen werden – auf Ermessen des HWK-Prüfungsausschusses. Eine automatische Anrechnung gibt es nicht.

Praktische Empfehlung: Wer diesen Weg plant, sollte das vorab direkt mit der HWK Düsseldorf oder HWK Unterfranken klären. Der sichere Weg zur Zulassung bleibt die Berufspraxis: Wer nach dem IHK-Abschluss zwei Jahre in einem Bestattungsunternehmen arbeitet, erfüllt die Praxisklausel – unabhängig vom Zertifikat.

Daneben bietet die Akademie Einzelseminare zu Trauerreden, Kommunikation, Führung und KI an – teils in Präsenz, teils online und als Inhouse-Schulung.

VuB – Verband unabhängiger Bestatter: Der VuB bietet eine verbandseigene Zertifizierung (Verbandsgeprüfter Bestatter). Sie bietet Fachseminare zu Recht, BWL, Trauerkultur. Es handelt sich nicht um einen staatlich anerkannten Abschluss.

Wie werde ich Bestatter? Hauptpfad Schulabschluss Bestattungsfachkraft Duale Ausbildung, 3 Jahre Geprüfter Bestatter HWK-Fortbildungsabschluss Bestattermeister Höchster handwerksrechtlicher Abschluss Quereinstieg Quereinstieg / anderer Beruf Praxis im Bestattungsunternehmen Mehrjährige Tätigkeit Geprüfter Bestatter HWK-Fortbildungsabschluss Bestattermeister Höchster handwerksrechtlicher Abschluss Parallele Qualifikationen Bestattungsfachwirt (IHK) Kaufmännische Spezialisierung Keine Voraussetzung für Meister oder Geprüften Bestatter Verbandsgeprüfter Bestatter (VuB) Verbandszertifikat Kein staatlich anerkannter Fortbildungsabschluss Blau: Ausbildung Grün Gelb Orange Grau: Quereinstieg Der Beruf des Bestatters ist nicht zulassungspflichtig. Die dargestellten Aus- und Fortbildungswege sind freiwillige Qualifikationen.

Online oder Präsenz?

Der Beruf des Bestatters ist in weiten Teilen ein Präsenzberuf. Überführung, Hygienische Versorgung, Trauerfeier – das erledigt sich nicht online. Entsprechend sind die staatlich anerkannten Kernausbildungen auf Präsenz ausgerichtet.

Was Sie online absolvieren können: ergänzende Fortbildungen und Seminare (Trauerreden, Kommunikation, Marketing, KI), einzelne Module in hybriden Formaten, Prüfungsvorbereitungen für kaufmännische Anteile.

Was online nicht funktioniert: praktische Prüfungsteile (Hygienische Versorgung, Beratungsgespräch), überbetriebliche Unterweisungen der Bestattungsfachkraft-Ausbildung, praktische Prüfungsanteile beim Geprüften Bestatter.

Die Bestatter-Akademie in Gummersbach hat als einziger Anbieter ein breiteres Online-Seminarangebot für die Branche aufgebaut. Ihre Hauptausbildung – der Bestattungsbegleiter:in (IHK) – ist jedoch Präsenzveranstaltung mit neun Modulen vor Ort in Oldenburg. Online läuft dort nur ein ergänzendes Modul zum Thema Bestattungssoftware.

Übersicht: Alle Wege auf einen Blick

Übersicht: Alle Wege auf einen Blick
Abschluss Art Dauer Kosten ca. Prüfung Format
Bestattungsfachkraft Duale Ausbildung 3 Jahre Ausbildungs­vergütung HWK / IHK regional Präsenz
Geprüfter Bestatter Weiterbildung 6–9 Monate ca. 3.500 € + MwSt. HWK Düsseldorf / Unterfranken Präsenz
Bestattermeister Weiterbildung 6 Monate – 3 Jahre ab ca. 1.600 € HWK Düsseldorf / Unterfranken Präsenz
Bestattungsfachwirt IHK-Weiterbildung ca. 1,5 Jahre individuell IHK regional Präsenz / hybrid
Bestattungsbegleiter:in (IHK) IHK-Zertifikat 1,5 Jahre / 237 Std. 7.500 € brutto IHK Oldenburg Präsenz
Verbandsgeprüfter Bestatter Verbandszertifikat modular individuell VuB modular

Was eine Ausbildung wirklich bringt – aus Kundensicht

Kunden fragen eher selten nach dem Abschluss. Sie fragen nicht: „Sind Sie Bestattermeister?“ Sie fragen: „Übernehmen Sie das?“

Und doch ist Ausbildung relevant. Nur anders, als man denkt.

Viele erfolgreiche Betriebe setzen heute auf formale Qualifikationen und kontinuierliche Weiterbildung – nicht weil Kunden den Abschluss abfragen, sondern weil Ausbildung Sicherheit gibt: im Gespräch mit Angehörigen, im Umgang mit rechtlichen Anforderungen, in Ausnahmesituationen, die man nicht proben kann.

Qualifikation öffnet außerdem konkrete Türen: ausbilden zu dürfen setzt fachliche Eignung voraus (in der Regel Geprüfter Bestatter oder vergleichbare Voraussetzungen – Einzelheiten bei der zuständigen HWK). Wer nach DIN EN 15017 zertifiziert sein möchte – ein zunehmend gefragtes Qualitätsmerkmal, in einigen Bundesländern inzwischen sogar gesetzlich gefordert – kommt um anerkannte Abschlüsse nicht herum.

In einem Beruf ohne Zugangsbeschränkungen ist der Abschluss das sichtbare Zeichen dafür, dass man es ernst meint. Das differenziert. Auch wenn Kunden es nicht benennen.

Ausbildungen und Fortbildungen helfen, Netzwerke zu bilden, in denen Bestatter sich austauschen, neue Methoden und Verfahren kennen lernen und Probleme lösen können. Auch Bestatter leben von „Gemeinschaftswissen“.

„Ihre Kunden werden nicht fragen: „Sind Sie Bestattermeister?“ Sie fragen: „Übernehmen Sie das…?“ oder „Was machen Sie und was muss ich machen?““

Claudia Grötzebach

Wie viele Bestatter sind ausgebildet – und wie viele nicht?

Das ist die unbequeme Frage, auf die es keine saubere Antwort gibt.

Amtliche Statistiken zu Abschlüssen in der Bestattungsbranche existieren nicht – öffentlich. Was wir wissen: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) befanden sich Ende 2024 rund 890 Personen in der Ausbildung zur Bestattungsfachkraft – ein Rekordwert, doppelt so viele wie noch 2014. Insgesamt arbeiteten zuletzt rund 26.300 Personen in etwa 4.200 Bestattungsunternehmen in Deutschland (Destatis, 2023).

Bei dieser Größenordnung und einem Beruf ohne Meisterzwang dürfte ein erheblicher Teil ohne formelle Qualifikation tätig sein – als Quereinsteiger, Familienmitglied im Betrieb oder schlicht auf Gewerbescheinbasis. Das ist kein Vorwurf, sondern die Beschreibung eines Strukturmerkmales. Aber es erklärt, warum Qualifikation in dieser Branche zunehmend zum echten Wettbewerbsvorteil wird.

Häufige Fragen

Kann ich ohne Ausbildung Bestatter werden? Ja, formal. Die Gewerbeanmeldung genügt. Ohne Qualifikation bleiben jedoch die Aufstiegsmöglichkeiten begrenzt, und der Zugang zu Netzwerken, Förderungen und Zertifizierungen ist eingeschränkt.

Gibt es Umschulungen zum Bestatter? Ja. Die Umschulung zur Bestattungsfachkraft dauert zwei Jahre und kann von der Agentur für Arbeit über einen Bildungsgutschein gefördert werden. Voraussetzung: Nötig sind in der Regel ein Hauptschulabschluss und der Nachweis, dass die Umschulung beruflich sinnvoll ist.

Kann ich mit 40, 50 oder 60 noch Bestatter werden? Ja. Die Ausbildungsordnung kennt keine Altersbeschränkung. Viele Bestatter kommen über den Weg des Quereinsteigers in die Branche – oft gerade in der Lebensmitte, wenn sich die Frage nach sinnstiftender Arbeit neu stellt. Über den Geprüften Bestatter (5 Jahre Berufspraxis ohne anderen Abschluss) ist ein formaler Abschluss auch ohne Ausbildung erreichbar.

Brauche ich einen Führerschein? Kein formales Muss – aber in der Praxis unerlässlich. Überführungen, Friedhofsfahrten, Hausbesuche: ohne Klasse B kommt man in diesem Beruf kaum aus.

Kann ich als Frau Bestatterin werden? Selbstverständlich. Über 57 Prozent der Auszubildenden zur Bestattungsfachkraft sind weiblich (Destatis, 2024). Der Beruf hat sich seit Jahren deutlich gewandelt – Frauen arbeiten in allen Bereichen, auch in der hygienischen Versorgung,  als Betriebsleiterinnen und Inhaberinnen.

Wie schwer ist die Ausbildung? Die Ausbildung ist anspruchsvoll – fachlich, organisatorisch und emotional. Der Lernstoff ist breit angelegt: von der Hygiene über Recht und Trauerpsychologie bis zur Betriebswirtschaft. Was viele unterschätzen: die psychische Belastung durch Schicksale, mit denen man täglich in Berührung kommt. Das ist kein Hinderungsgrund – aber etwas, auf das Sie sich bewusst vorbereiten sollten.

Mein Rat

Ich komme nicht aus der Branche. Ich habe die Kundenperspektive innerhalb der Branche. Und ich beobachte die Branche seit 30 Jahren.

Was ich beobachte: Viele Betriebe, die langfristig erfolgreich sind, setzen auf formale Qualifikation und kontinuierliche Weiterbildung. Und viele Junge in der Branche. Nicht weil Kunden nach dem Abschluss fragen. Sondern weil der Abschluss die Grundlage für Kompetenz und Qualität legt, das ruft man oder frau im entscheidenden Moment ab. Außerdem helfen Aus- und Fortbildung den Sachstand und die Standards in der Branche zu kennen und die eigenen Leistungen realistisch einzuordnen.

Wer diesen Beruf ernstnimmt, bildet sich aus. Nicht aus Pflicht – sondern weil er versteht, was auf dem Spiel steht.

Wenn Sie ernsthaft über den Einstieg nachdenken:

  • Machen Sie ein Praktikum – mindestens zwei Wochen, besser vier. Ohne das läuft nichts.
  • Lassen Sie sich über die Verbände oder Ausbildungsinstitute beraten. Sie beraten auch zu Quereinstiegsmöglichkeiten.
  • Prüfen Sie, welcher Weg zu Ihrer Situation passt: Ausbildung, Geprüfter Bestatter, Bestattungsbegleiter:in (IHK) als strukturierter Einstieg – oder, falls Sie bereits Meister in einem anderen Handwerk sind, der verkürzte Weg zur Bestattermeisterprüfung mit Anrechnung der allgemeinen Prüfungsteile.
  • Klären Sie mit Ihrer Agentur für Arbeit, ob eine Förderung über Bildungsgutschein möglich ist.
  • Schauen Sie sich den Landesverband Ihrer Region an – dort laufen die berufsbegleitenden Lehrgänge

Der Beruf wartet. Er braucht gute Menschen. Und er braucht sie gut vorbereitet.

TIPP FÜR DIE PRAXIS

Praxistipp: Machen Sie ein Praktikum – mindestens zwei Wochen, besser vier. Kein Ratgeber und keine Ausbildungsbroschüre kann ersetzen, was Sie in diesen Wochen lernen: ob dieser Beruf wirklich zu Ihnen passt. Erst dann entscheiden.

Claudia Grötzebach begleitet Bestatter seit 30 Jahren mit Fortbildungen, Büchern und Beratung – mit dem Blick, den ihre Kunden haben.

Haben Sie Fragen? Schreiben Sie mir – oder melden Sie sich für ein Beratungsgespräch an.

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