Marketing – Digitalisierung

Sichtbar sein – ohne gläsern zu werden

Datenschutz – schützt Sie und Ihre Kunden

14. Juli 2026 · 5 Minuten Lesezeit · Design

Wer ein Bestattungsunternehmen führt, weiß: Vertrauen ist das Fundament jeder Begegnung. Hinterbliebene kommen in einem der verletzlichsten Momente ihres Lebens zu Ihnen. Dieses Vertrauen beginnt nicht erst beim ersten Gespräch – es beginnt in dem Moment, in dem jemand Ihren Namen googelt, Ihre Website aufruft oder Ihnen auf Social Media begegnet.

Genau hier lauert ein Widerspruch, über den in der Branche wenig gesprochen wird: Digitales Marketing bedeutet in der Regel, dass Daten fließen – über Ihre Besucher, über Ihre Interessenten, manchmal über Menschen in akuten Trauersituationen.

Das ist keine technische Frage. Es ist eine Frage der Haltung.

Was im Hintergrund passiert – und warum es bei Bestattern anders wiegt

Wenn Sie Ihre Website mit einem Facebook-Pixel oder Google Analytics ausstatten, geben Sie diesen Unternehmen Einblick darin, wer Ihre Seite besucht. Facebook erkennt seine eigenen Nutzer – also Menschen, die gerade trauern, einen Sterbefall in der Familie haben oder sich nach einem Bestatter umschauen – und kann ihnen später gezielte Werbung ausspielen.

Das ist das dokumentierte Geschäftsmodell eines Konzerns, der dafür bereits Milliarden-Bußgelder kassiert hat.

Für ein Modegeschäft oder einen Fitnessstudio mag das hinnehmbar sein. Für ein Bestattungsunternehmen ist es eine Frage, die Sie sich stellen sollten: Ist das, was wir technisch tun, vereinbar mit dem, was wir unseren Kunden versprechen?

Dasselbe gilt für KI-Werkzeuge, die zunehmend in Marketing-Software integriert werden – oft unsichtbar, oft ohne dass der Nutzer weiß, welche Daten dabei verarbeitet werden. Wer KI im Betrieb einsetzt, sollte wissen, wohin die Daten fließen. Das gilt für Textgenerierung ebenso wie für automatisierte Kundenkommunikation.

„Datensparsamkeit ist kein Verzicht. Sie ist ein Versprechen.“

Claudia Grötzebach

Drei Felder – drei Entscheidungen

1. Ihre Website

Die eigene Website ist das digitale Zuhause Ihres Unternehmens – und der Ort, an dem Sie die größte Kontrolle haben. Jedes eingebundene Tool – Google Fonts, YouTube-Videos, Social-Media-Buttons, Chat-Widgets – überträgt Daten an Dritte, oft noch bevor jemand auf etwas geklickt hat.

Ein Cookie-Banner allein reicht nicht. Er muss technisch so umgesetzt sein, dass Tracking erst nach ausdrücklicher Zustimmung startet. Und eine Datenschutzerklärung, die von vor drei Jahren stammt, ist in den meisten Fällen nicht mehr aktuell.

Was hilft: Matomo statt Google Analytics – selbst gehostet, DSGVO-konform, ohne Datenweitergabe an Dritte. Google Fonts lokal einbinden. YouTube-Videos nur per Klick laden. Das sind keine großen technischen Hürden, aber sie machen einen echten Unterschied.

2. Lokales Marketing

Google My Business ist für Bestatter unverzichtbar – wer lokal gesucht wird, muss dort sichtbar sein. Und im Vergleich zu anderen digitalen Kanälen ist das Datenschutzrisiko hier überschaubar.

Aber: Wenn Sie Hinterbliebene um Bewertungen bitten, tun Sie das behutsam. Eine Bewertungsanfrage, die kurz nach der Bestattung automatisch verschickt wird, kann als übergriffig empfunden werden. Das schadet mehr als es nützt. Hier ist menschliches Urteilsvermögen gefragt – kein Automatismus.

Das gilt auch für KI-gestützte Bewertungsantworten: Wer auf eine Trauerbewertung mit einem KI-generierten Text antwortet, ohne dass das kenntlich ist, riskiert genau das Vertrauen, das er aufbauen wollte.

3. Social Media

Facebook, Instagram, LinkedIn – alle drei verfolgen Nutzer auch außerhalb der eigenen Plattformen. Das LinkedIn Insight Tag ist auf Tausenden von Unternehmenswebseiten eingebettet. Der Facebook Container für Firefox schützt beim Surfen – eine kostenlose Browser-Erweiterung, fünf Minuten Installation.

Und WhatsApp: Wer WhatsApp für Kundenkommunikation nutzt, sollte wissen, dass die App beim ersten Start das gesamte Telefonbuch ausliest und an Meta überträgt. Das betrifft nicht nur Ihre eigenen Kontakte – es betrifft auch Hinterbliebene, die WhatsApp selbst nie installiert haben. Für interne Teamkommunikation ist Signal eine ernsthafte Alternative: funktional ähnlich, kein Datenhandel.

Hier ist übrigens auch KI relevant: Wer Social-Media-Beiträge mit KI erstellt, sollte prüfen, welche Daten dabei an den Anbieter übertragen werden – Kundennamen, Falldetails, interne Infos haben in KI-Prompts nichts zu suchen. Das haben wir im Artikel „KI heimlich nutzen – bitte nicht“ bereits beschrieben.

Datensparsamkeit als Versprechen

Datensparsamkeit ist kein Nachteil im digitalen Marketing. Sie ist ein Versprechen. An die Menschen, die in ihrer verletzlichsten Stunde auf Ihrer Website landen. An die Hinterbliebenen, die Ihnen ihre Nummer geben. An die Familien, die Ihnen vertrauen.

Und sie ist – das sei deutlich gesagt – kein Verzicht auf Sichtbarkeit. Man kann sichtbar sein, ohne gläsern zu werden. Man kann lokales Marketing betreiben, ohne Tracking-Skripte, die sensible Daten weitergeben. Man kann auf Social Media präsent sein, ohne jeden Klick zu analysieren.

Der Unterschied liegt nicht in der Technologie. Er liegt in der Entscheidung, die Sie treffen – bewusst, informiert, im Einklang mit dem, was Ihr Unternehmen verkörpert.

TIPP FÜR DIE PRAXIS

Praxistipp:  Prüfen sie heute: Hat Ihre Website einen Facebook-Pixel oder Google Analytics? Ein kostenloser Check auf cookiebot.com/de/cookie-checker/ zeigt es in zwei Minuten.

Claudia Grötzebach berät Bestatter zu Marketing, Kommunikation und digitalem Wandel. Dieser Artikel ist Teil einer losen Serie zum Thema Digitalisierung im Bestattungswesen.

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