Grün gegen Grau – zwei Agenturen, zwei Welten

Impressionen von der Forum BEFA 2026

Zwei Hallen, viele Gespräche und rauchende Socken

Das Grün ist unübersehbar, als ich den Gang in Halle 2 entlanggehe. Junge, agile, fröhliche Menschen in Schwarz-Grün – teils sogar mit grün gefärbten Haaren. Sie sprechen an, springen in den Weg, strahlen Energie aus. Ich muss lächeln, als ich ablehne: „Nein, ich möchte keine Karte nehmen.“ Auf einer Messe sammeln sich schnell Kilos an Prospekten und Visitenkarten. Das will ich nicht.

Leider wird die Performance nicht von vergleichbar guten Gesprächen getragen. Das erste Gespräch nach meiner unerwarteten Reaktion versandet schnell. Ein zweites am Folgetag ist eher erheiternd: „Wir machen Filme… Filme halt… und die vermarkten wir dann…“ Mehr kommt nicht.

Unvergessen: Wenn der Vortrag mehr sagt als der Stand

Das ändert sich, als ich Philip Pelgen, einen der Geschäftsführer, im Vortragsprogramm erlebe. Er spricht darüber, wie Mitarbeiter in Ausbildung und Qualifikation gezielt unterstützt werden können – durch aktives Wissensmanagement und ein hausinternes, videogestütztes Schulungsangebot, das eine personenunabhängige Qualifikation ermöglicht. Ein Angebot, das in der Branche Seltenheitswert hat.

Das ist dann auch der Kern dessen, was Unvergessen von einer gewöhnlichen Marketingagentur unterscheidet. Der Fokus liegt nicht auf der Website, sondern auf dem laufenden Marketing: Social Media, Reichweite, Employer Branding, strategische Positionierung. Bestatter sind dabei nicht eine Zielgruppe unter vielen, sondern die einzige. Und die gleichnamige Gedenkplattform unvergessen.de ist dabei ein wichtiger Hebel – ein organisch gewachsenes Ökosystem rund um Trauer, Abschied und digitale Erinnerungskultur.

Netzcocktail: Solide, lokal, leise

Anders verhält es sich mit Netzcocktail. Diese Agentur ist sicht- und spürbar anders. Zurückhaltend, klassisch – und sie geht ein wenig unter. Im Schatten des großen Bundesverbandsstands am Eingang von Halle 1 liegt der Stand nicht im Laufweg der Messebesucher. Die Farben nüchtern: Blau, Grau, Weiß.

Ich komme mit zwei Mitarbeitern ins Gespräch, die am Rand plaudern – kein Auflauern, kein Einspringen. Sie erläutern ihr Angebot, das auf den ersten Blick dem des Mitbewerbers ähnelt. Doch bei näherer Betrachtung ist Netzcocktail etwas anderes: eine klassische Webagentur mit klarem lokalem Fokus. Bestattung ist nach wie vor eine lokale Dienstleistung – und genau dort setzt Netzcocktail an. Sichtbarkeit in den sozialen Medien ist sinnvoll, wenn sie das Unternehmen vor Ort bekannt macht. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Dreh- und Angelpunkt ist dabei die Website, die der Bestatter auf Wunsch selbst pflegen kann, aber nicht muss. Von dort aus wird Schritt für Schritt daran gearbeitet, das Unternehmen und seine Leistungen im regionalen Umfeld sichtbar zu machen.

Das eigentliche Problem: Was will ein Bestatter?

In diesen Tagen habe ich ein Buch zum Social-Media-Management für Bestatter fertiggestellt – entstanden aus einer Beobachtung, die mich seit Jahren begleitet: Viele meiner Teilnehmer wissen nicht genau, was sie mit Social Media eigentlich erreichen wollen. Sie schauen auf die Influencer der Branche, bewundern deren Reichweite und Präsenz – und wollen das auch. Verständlich. Doch ohne ein klares Ziel verpufft jede Menge Zeit und Energie. Und Zeit ist bei den meisten Bestattern, die ich kenne, das knappste Gut überhaupt.

Genau dieses Kernproblem wollte ich greifbar machen. Und die beiden Agenturen auf der Forum Befa liefern dafür ungewollt eine perfekte Illustration.

Employer Branding oder Kundengewinnung? Die Frage entscheidet alles

Sie wirken wie zwei Pole, zwischen denen sich ein Bestatter oder eine Bestatterin positionieren muss. Doch welcher Pol der richtige ist, hängt nicht vom Auftritt der Agentur ab – sondern von der eigenen Antwort auf eine schlichte Frage: Was ist mein Ziel?

Wer qualifizierte Mitarbeiter gewinnen will, für den kann eine aktive, sichtbare Netzpräsenz echten Mehrwert schaffen. Das eigene Image in den Augen potenzieller Bewerber zu gestalten, Einblicke in die Unternehmenskultur zu geben, als moderner und menschlicher Arbeitgeber wahrgenommen zu werden – das ist eine Strategie, die sich lohnen kann. Und die Zeit und Konsequenz erfordert.

Wer hingegen schlicht mehr Aufträge gewinnen möchte, sollte genau hinschauen, ob der Aufwand einer solchen Strategie in einem vernünftigen Verhältnis zum Ergebnis steht. Bestattung bleibt ein lokales Geschäft, das auf Vertrauen basiert – oft gewachsen über Jahrzehnte, über Empfehlungen, über Verlässlichkeit. Social Media kann dieses Vertrauen stärken, aber kaum ersetzen. Für die reine Kundengewinnung kann das Engagement einer Agentur sinnvoll sein – solange klar ist, was sie leisten soll und was nicht.

Erst das Ziel, dann die Agentur

Beide Agenturen haben ihre Berechtigung. Aber keine von ihnen kann die Frage beantworten, die am Anfang stehen muss. Die muss jeder Bestatter für sich selbst klären – am besten, bevor er den nächsten Messegang antritt.

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