Sichtbar sein – ohne gläsern zu werden

Datensensibilität im digitalen Marketing für Bestatter

Oft übersehen, doch wichtig

Wer ein Bestattungsunternehmen führt, weiß wie wichtig Kleinigkeiten sein können. Vertrauen gewinnen wir oft schon im ersten Gespräch – doch das Fundament dafür legen Sie schon oft in dem Moment, in dem ein Interessent Ihren Namen googelt, Ihre Website aufruft oder Ihnen auf Social Media begegnet.

Genau hier lauert ein Widerspruch, über den in der Branche wenig gesprochen wird:

Digitales Marketing bedeutet in der Regel: Sie werden beobachtet – und Ihre Interessenten auch.

Facebook-Pixel, LinkedIn-Insight-Tags, Google-Tracking-Skripte – all diese Werkzeuge sammeln Daten über das Verhalten Ihrer Websitebesucher und spielen ihnen später Werbung aus. Das ist gängige Praxis im Online-Marketing. Aber passt das zur Haltung, die Sie als Bestatter verkörpern?

Und: Schützen Sie auch sich selbst ausreichend, wenn Sie als Bestatter auf diesen Plattformen aktiv sind?

Was passiert eigentlich im Hintergrund?

Wenn Sie Ihre Website mit einem Facebook-Pixel oder einem Google-Analytics-Tag ausstatten, geben Sie diesen Unternehmen Einblick darin, wer Ihre Seite besucht. Facebook erkennt dabei seine eigenen Nutzerinnen und Nutzer – also Menschen, die gerade trauern, einen Sterbefall in der Familie haben oder sich schlicht nach einem Bestatter umschauen – und kann ihnen später gezielte Werbung ausspielen.

Das ist keine Vermutung. Das ist das Geschäftsmodell.

Für eine Arztpraxis oder ein Modegeschäft mag das hinnehmbar sein. Für ein Bestattungsunternehmen sollten Sie sich die Frage stellen: Wollen wir das?

Die drei digitalen Felder – und was sie bedeuten

1. Ihre Website

Die eigene Website ist das digitale Zuhause Ihres Unternehmens. Hier haben Sie die größte Kontrolle.

Was zu bedenken ist:

  • Jedes eingebundene Tool (Google Fonts, YouTube-Videos, Social-Media-Buttons, Chat-Widgets) überträgt Daten an Dritte – oft, noch bevor jemand auf etwas geklickt hat.
  • Ein Cookie-Banner allein reicht nicht. Er muss auch technisch so umgesetzt sein, dass Tracking erst nach Zustimmung startet.
  • Die DSGVO gilt. Besonders sensibel ist der Kontext Ihrer Besucher: Wer auf einer Bestatterseite landet, befindet sich möglicherweise in einer akuten Trauersituation.

Was hilft:

  • Datenschutzfreundliche Alternativen nutzen: Matomo (statt Google Analytics, selbst gehostet), Datenschutz-konforme Schriftarten lokal einbinden, YouTube-Videos nur per Klick laden.
  • Ihre Datenschutzerklärung regelmäßig prüfen lassen – nicht nur einmalig beim Website-Launch.
  • Einen Cookie-Consent-Manager verwenden, der sauber zwischen notwendigen und optionalen Cookies unterscheidet.

2. Lokales Marketing – Google My Business & Co.

Für Bestatter ist lokale Sichtbarkeit das A und O. Die meisten Menschen suchen nach einem Bestatter in ihrer Nähe – und Google ist die erste Anlaufstelle.

Was Sie wissen sollten:

  • Google My Business (heute: Google-Unternehmensprofil) ist unverzichtbar für lokale Auffindbarkeit – und vergleichsweise datenschutzarm für Sie als Nutzer.
  • Rezensionen sind wichtig, aber: Ermutigen Sie Hinterbliebene nur behutsam zur Bewertung. Eine Einladung kurz nach der Bestattung kann als übergriffig empfunden werden.
  • Google sammelt Daten über Suchanfragen und das Klickverhalten auf Ihrem Profil – das lässt sich nicht abschalten, aber Sie müssen diese Daten nicht aktiv weiterreichen.

Was hilft:

  • Ihr Google-Profil vollständig und aktuell halten: Öffnungszeiten, Fotos, Leistungen.
  • Auf Bewertungen antworten – sachlich, würdevoll, ohne persönliche Details der Verstorbenen oder Hinterbliebenen zu erwähnen.
  • Keine Drittanbieter-Tools nutzen, die Ihr Google-Profil „optimieren“, ohne dass Sie wissen, welche Daten dabei fließen.

3. Social Media – Facebook, Instagram, LinkedIn

Social Media bietet Bestatterinnen und Bestattern echte Chancen: Haltung zeigen, Aufklärung leisten, menschlich sichtbar sein. Gleichzeitig ist es das Feld mit dem intensivsten Datentracking.

Was Sie wissen sollten:

  • Facebook und Instagram (beides Meta) verfolgen ihre Nutzer auch außerhalb der eigenen Plattformen – über eingebettete „Gefällt mir“-Buttons, Pixel und Login-Funktionen auf fremden Websites.
  • LinkedIn betreibt das sogenannte Insight Tag: ein Tracking-Pixel, das auf sehr vielen Unternehmenswebseiten eingebettet ist. Wer LinkedIn nutzt und im Netz surft, wird dabei von LinkedIn erkannt – auf vielen Seiten, die er gar nicht bewusst mit LinkedIn verbindet.
  • Jede Anzeige, die Sie auf diesen Plattformen schalten, wertet das Verhalten Ihrer Zielgruppe aus.

Was hilft:

  • Kein Facebook-Pixel auf Ihrer Website, wenn Sie es nicht wirklich für Werbeanzeigen brauchen.
  • Falls Sie selbst viel auf LinkedIn unterwegs sind und Ihre Daten schützen wollen: Es gibt den LinkedIn Container für Firefox – eine Browser-Erweiterung, die LinkedIn in einem isolierten Bereich öffnet und verhindert, dass LinkedIn Ihr übriges Surfverhalten verfolgt. (Für Facebook existiert der Facebook Container von Mozilla, der dasselbe Prinzip nutzt.)
  • Für Social-Media-Inhalte gilt: Zeigen Sie Haltung, Kompetenz und Menschlichkeit – aber schützen Sie die Privatsphäre der Familien, die Sie begleiten. Kein Foto von Trauerfeiern ohne ausdrückliche Zustimmung. Kein Name ohne Erlaubnis.

Was das alles für Ihre Außenwirkung bedeutet

Datenschutz ist kein bürokratisches Thema. Er ist Ausdruck von Respekt.

Wenn Sie Ihre Website sauber betreiben, keine unnötigen Daten sammeln und Ihren Besuchern gegenüber ehrlich kommunizieren, was auf Ihrer Seite passiert – dann sagen Sie damit etwas über sich. Nämlich dasselbe, das Sie auch im persönlichen Gespräch sagen: Hier sind Sie in guten Händen. Hier wird sorgsam mit dem umgegangen, was Ihnen wichtig ist.

Das ist kein Nachteil im Wettbewerb. Es ist ein Vertrauensvorsprung.

Fünf Sofortmaßnahmen, die sich lohnen

  • Prüfen Sie Ihre Cookie-Einstellungen. Werden Tracking-Tools wirklich erst nach Zustimmung geladen? Ein kostenloser Check: cookiebot.com
  • Installieren Sie den Facebook Container (Firefox-Erweiterung), wenn Sie selbst mit Facebook arbeiten – er schützt Ihre eigenen Daten beim Surfen.
  • Entfernen Sie Social-Media-Buttons von Ihrer Website, die Daten übertragen, ohne dass jemand darauf klickt. Ersetzen Sie sie durch datenschutzfreundliche Alternativen (z. B. Shariff).
  • Holen Sie sich eine aktuelle Datenschutzerklärung. Die von vor drei Jahren reicht in der Regel nicht mehr.
  • Fragen Sie Ihren Webdesigner, ob Google Fonts lokal eingebunden sind – das allein ist ein häufiger Datenschutzmangel, der bereits zu Abmahnungen geführt hat.

Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu.

Datenschutzerklärung