Marketing – Trend
Der stille Markt
Tierbestattung – was Bestatter jetzt wissen sollten
11. August 2026 · 5 Minuten Lesezeit · Trend
Was auf der BEFA 2026 auffällt – und was nicht
Kein Stand auf der Forum BEFA 2026 in Düsseldorf hatte ein Schild mit der Aufschrift „Tierbestattung“. Kein Vortrag im Fachprogramm war explizit diesem Thema gewidmet.
Und doch war das Thema überall zu finden.
Loop Biotech bietet neben den bekannten Pilzmyzel-Särgen mittlerweile ein kleineres Format an – ursprünglich für Kinder gedacht, in der Praxis ebenso für Tiere genutzt. Dietrich hat ebenfalls einen kleinen Sarg im Angebot, der gerne für Tierbeisetzungen eingesetzt wird. Anbieter von Trauerschmuck verweisen diskret auf ihre Tierkollektion – Diamanten aus Tierasche, Anhänger mit dem Fingerabdruck einer Pfote. Liv’s Memories gewann auf der Tanexpo 2026 in Bologna den Award in der Kategorie PET.
Das Muster ist erkennbar: kein großes Schild, kein eigener Messebereich – aber eine zweite Linie, eine Erweiterung des Angebots, die längst selbstverständlich geworden ist. Die Branche hat entschieden. Still, ohne Ankündigung.
Warum der Markt wächst – und warum er noch nicht ausgeschöpft ist
In Deutschland sterben jährlich rund 1,3 bis 1,4 Millionen Hunde und Katzen. Der Bundesverband der Tierbestatter schätzt den Jahresumsatz der Branche auf rund 20 Millionen Euro – mit jährlichen Wachstumsraten von 10 bis 15 Prozent. International liegt die Wachstumsrate für den globalen Pet-Funeral-Markt bei ähnlichen Werten.
Der Grund ist kein Modetrend. Es ist eine veränderte Beziehung zwischen Menschen und Tieren. Haustiere sind für viele Menschen Familienmitglieder – emotional, alltagspraktisch, manchmal auch rechtlich. Wer ein Haustier wie ein Familienmitglied behandelt, möchte es auch wie eines bestatten.
Gleichzeitig ist der Markt noch nicht ausgeschöpft. Viele Tiere werden weiterhin im Garten beigesetzt oder anderweitig übergeben – nicht weil die Besitzer kein Interesse an einer würdigen Bestattung hätten, sondern weil sie nicht wissen, was möglich ist. Oder weil niemand sie darauf angesprochen hat.
„Wer ein Haustier wie ein Familienmitglied behandelt, möchte es auch wie eines bestatten“
Claudia Grötzebach
Was das für Bestatter bedeutet – konkret
Die meisten klassischen Bestattungsunternehmen sind im Tierbestattungsmarkt noch nicht aktiv. Das ist eine Lücke – und eine Chance.
Denn die Zielgruppe ist dieselbe. Wer ein Haustier verliert, trauert. Wer trauert, braucht Begleitung. Und wer als Bestatter diese Begleitung anbietet – auch für den Verlust eines Tieres – baut eine Beziehung auf, die weit über den Tiersterbefall hinaus tragen kann.
Das ist der strategische Kern: Tierbestattung ist ein Einstieg. Ein Kontaktpunkt, der keine Ausnahmesituation voraussetzt. Wer die Trauer um ein Tier ernst nimmt, wird erinnert – auch wenn später ein Mensch gestorben ist.
Konkret bedeutet das: Kooperationen mit Tierbestattungsunternehmen sind ein naheliegender erster Schritt. Eigene Angebote – Urnen, Erinnerungsschmuck, kleine Särge – ein zweiter. Und die Kommunikation darüber – auf der Website, in Social Media, im Gespräch – ein dritter.
Was Sie nicht brauchen
Sie müssen kein Tierbestatter werden. Sie müssen keine eigene Infrastruktur aufbauen. Was Sie brauchen, ist Offenheit – für eine Trauer, die dieselbe menschliche Tiefe hat wie jede andere, auch wenn ihr Anlass ein anderer ist.
Die Anbieter auf der BEFA 2026 haben das längst verstanden. Sie haben keine Grundsatzdiskussion geführt. Sie haben einfach eine zweite Linie eingestellt.
Das ist vielleicht der pragmatischste Rat, den ich geben kann: Fangen Sie klein an. Sprechen Sie das Thema an. Hören Sie zu, was Ihre Kunden erzählen – auch über ihre Tiere. Der Markt wächst. Die Frage ist nur, ob Sie dabei sind.
TIPP FÜR DIE PRAXIS
Praxistipp: Sprechen Sie das Thema beim nächsten Kundenkontakt einmal an – nicht als Verkaufsgespräch, sondern als Frage: „Haben Sie auch Tiere zu Hause?“ Sie werden überrascht sein, wie viele froh sind, dass jemand fragt.
Claudia Grötzebach begleitet Bestatter seit Ende der 1990er Jahre zu Marketing, Kommunikation und unternehmerischer Positionierung.