Ausbildung – Qualifikation
Wie werde ich Trauerredner?
Eine Übersicht für alle, die ernsthaft nachdenken
06. Oktober 2026 · 10 Minuten Lesezeit · Ausbildung & Beruf
Eine Trauerfeier. Eine Stunde, die nicht wiederholbar ist.
Der Moment, in dem jemand am Sarg steht und mit den richtigen Worten das Leben eines anderen Menschen würdigt – das ist keine Kleinigkeit. Das ist – solides – Handwerk. Und für viele Menschen ist es sogar mehr: eine Berufung.
Immer mehr Menschen fragen sich, wie man Trauerredner wird. Pflegekräfte, Seelsorger, Journalisten, Lehrer, Menschen aus sozialen Berufen – und solche, die einfach spüren, dass diese Aufgabe zu ihnen passt. Wer jetzt denkt: Das klingt nach mir – dieser Artikel ist für Sie.
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„Trauerredner sollen nicht ihre Bedürfnisse ausleben, sondern ein Leben würdigen und Worte für die Hinterbliebenen finden.“
Claudia Grötzebach
Zunächst das Wichtigste: Trauerredner ist kein geschützter Beruf
Die Tätigkeit als freier Trauerredner ist in Deutschland kein reglementierter Beruf. Es existieren keine gesetzlich vorgeschriebenen Ausbildungs- oder Zulassungsvoraussetzungen – keine Kammerprüfung, keine staatliche Zulassung, kein Berufsabschluss, der zwingend vorliegen muss. Wenn Sie also morgen ein Gewerbe als Trauerredner anmelden möchten, dann können Sie das tun. ein Abschluss, keine Prüfung, keine Behörde, die prüft, ob Sie das können.
Das klingt verlockend. Ist aber eine zweischneidige Sache.
Denn Fehler bei einer Trauerfeier lassen sich nicht mehr korrigieren. Es gibt keine zweite Chance. Die Angehörigen erinnern sich ihr Leben lang an diesen Abschied. Hier geht es um mehr als einen verunglückten Haarschnitt.
Eine fundierte Ausbildung ist zwar nicht gesetzlich vorgeschrieben – aber in der Praxis kaum verzichtbar, wenn Sie sich das bewusst machen. Bestatter, die Trauerredner empfehlen – und das ist nach wie vor der wichtigste Auftragskanal – empfehlen Sie nur, wenn sie sich auf Ihre Qualität verlassen können.
„Bei einer Trauerfeier gibt es keine zweite Chance für Sie. Eine Ausbildung ist keine Pflicht – aber definitv ratsam.“
Claudia Grötzebach
„Eine solide Ausbildung macht es Ihnen leichter, gute Arbeit abzuliefern.“
Claudia Grötzebach
Warum der Markt für freie Trauerredner wächst
Es handelt sich dabei nicht nur um Trend, sondern auch um Demographie und Gesellschaftswandel.
Laut Aeternitas, der Verbraucherinitiative Bestattungskultur, betrug der Anteil kirchlich begleiteter Bestattungen in Deutschland 2023 nur noch 45,9 Prozent – nach 60,4 Prozent im Jahr 2013 und 69,9 Prozent im Jahr 2003. Das bedeutet im Umkehrschluss: Mehr als die Hälfte aller Todesfälle (rund eine Million pro Jahr) in Deutschland wird heute ohne kirchliche Begleitung bestattet.
Ende 2024 waren erstmals mehr Menschen in Deutschland konfessionsfrei (47 Prozent) als Mitglied in einer der beiden großen Kirchen (45 Prozent), so die Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid).
Dieser Wandel schafft echten Bedarf an freien Trauerrednern. Und er wird sich in den kommenden Jahren fortsetzen. – Der Markt wächst.
Was leistet ein Trauerredner– und was unterscheidet ihn von Geistlichen
Ein freier Trauerredner wird in der Regel bei konfessionslosen oder weltlichen Trauerfeiern tätig. Oft heißt es, er oder sie würde diese Trauerfeiern leiten, aber das ist nicht immer der Fall. Ich erlebe häufiger, dass das Bestattungshaus die Trauerfeier leitet. Der Trauerredner wird also „nur“ in einem gegebenen Rahmen für die Trauerrede gebucht.
Im Unterschied zu Geistlichen ist er oder sie nicht an liturgische Vorgaben oder konfessionelle Traditionen gebunden – sondern ausschließlich im Auftrag der Angehörigen tätig.
Die Arbeit beginnt weit vor der Trauerfeier: ein ausführliches Gespräch mit der Familie, um den verstorbenen Menschen kennenzulernen. Daraus entsteht eine Rede, die den Menschen für die Trauergemeinde sichtbar macht – nicht als Todesanzeige, sondern als Würdigung eines gelebten Lebens.
Am Tag der Beisetzung übernimmt der Trauerredner die Trauerrede, teils eben auch die Leitung der Trauerfeier: Begrüßung, Rede, Gebet (falls gewünscht), Musik, Abschluss. Er oder sie gibt dem Abschied einen Rahmen – für Menschen, die das nicht selbst leisten können oder wollen.
Es ist ein eigenes Berufsbild, das Elemente aus mehreren Berufen verbindet: Gesprächsführung, Schreiben, Rhetorik, Trauerpsychologie, Moderation/Rahmenrede.
Wie viel Zeit steckt wirklich in einer Trauerrede?
Das ist die Frage, die die meisten Interessenten unterschätzen.
Eine Trauerfeier dauert vielleicht eine Stunde. (Dies ist nur ein Beispiel.) Die Arbeit dahinter braucht deutlich mehr Zeit. Erfahrene Trauerredner beschreiben den typischen Zeitaufwand pro Auftrag so:
- Erstgespräch mit den Angehörigen: 1–2 Stunden
- (Abstimmung mit Bestatter, Floristen, Musiker: 30–60 Minuten)
- Schreiben der Rede: 3–6 Stunden
- Probe und Vorbereitung: 1–2 Stunden
- Anfahrt und Durchführung: 2–3 Stunden
Realistisch kalkuliert kommen so rund acht Stunden Gesamtaufwand pro Trauerfeier zusammen. (Quelle: Omilia Academy / Trauerredner Campus)
Wer also glaubt, für 300 bis 400 Euro eine schnelle Rede zu halten, hat seine Leistungen noch nicht wirklich durchgerechnet. Und das gilt nicht nur für die Organisation der gesamten Trauerfeier, sondern auch für das Erstellen der Rede.
Wer kann Trauerredner werden?
.Die Frage nach der Eignung ist wichtiger als die Frage nach der Ausbildung. Was jemand braucht, ist individuell sehr unterschiedlich. Wer aus einem erlernten Beruf schon viele Fähigkeiten mitbringt, dem fällt der Einstieg sicher leichter.
Hilfreich sind vor allem:
- Empathie und Belastbarkeit
- die Fähigkeit zur sprachlichen Gestaltung
- Erfahrung im Umgang mit Menschen in schwierigen Situationen
- die Fähigkeit zur Abgrenzung
- ein realistischer Blick auf das, was dieser Beruf emotional verlangt
Vorerfahrung aus Pflegeberufen, Seelsorge, Journalismus, Lehramt, Theologie, Trauerbegleitung oder in der Rhetorik hilft. Ist aber nicht zwingend. Wichtiger ist die Bereitschaft, die eigene Belastbarkeit – und die eigenen Fähigkeiten – ehrlich einzuschätzen.
Viele Anbieter empfehlen vor der Anmeldung: einen Selbsttest, ein Infogespräch, manchmal ein Bewerbungsgespräch. Ich kann nur dazu raten, ein Rhetorikseminar zu besuchen. Nicht um abzuschrecken – sondern um sicherzustellen, dass der Einstieg passt.
„Viele Trauerredner könnten besser sein. Darin sind sich erstaunlich viele Trauerredner einig.“
Claudia Grötzebach
Selbständig oder nebenberuflich starten?
Die meisten freien Trauerredner arbeiten als Freiberufler. Daneben gibt es Bestatter, die selbst Trauerreden übernehmen, und vereinzelt angestellte Redner bei größeren Filialisten.
Gewerbe oder Freiberuflichkeit?
Das ist keine Nebenfrage – und die Antwort ist nicht so einfach, wie sie manchmal dargestellt wird.
Grundsätzlich gilt: Wer Trauerreden eigenschöpferisch und individuell gestaltet, kann steuerlich als Künstler eingestuft werden – mit dem Vorteil, keine Gewerbesteuer zu zahlen. Das FG Niedersachsen hat das 2004 bestätigt (Az. 2 K 2/03).
Allerdings ist die Rechtsprechung nicht einheitlich. Neuere Entscheidungen – darunter das FG Rheinland-Pfalz (2017) und das FG Baden-Württemberg (2021) – haben in ähnlichen Fällen die künstlerische Einordnung abgelehnt, wenn die Reden keine ausreichende „Gestaltungshöhe“ erreichten. Auch die umsatzsteuerliche Frage (7 % oder 19 %?) ist nach wie vor nicht abschließend geklärt.
Empfehlung
Klären Sie Ihre steuerliche Einordnung vor dem Start mit Ihrem Finanzamg oder einer Steuerkanzlei – und nicht auf Basis älterer Urteile allein. Die Rechtslage ist in Bewegung.
Nebenberuflich oder hauptberuflich?
Wer nebenberuflich startet, hat den Vorteil, das Einkommensrisiko abzufedern. Viele Trauerredner entwickeln ihren Kundenstamm über Monate, bevor die ersten verlässlichen Aufträge kommen.
Wer hauptberuflich starten möchte, sollte realistisch kalkulieren: Ein Trauerredner, der eine Familie zu versorgen hat, müsste rund 75.000 Euro Jahresumsatz erzielen, um Kosten zu decken, sich als Selbständiger zu versichern und ausreichend für das Alter vorzusorgen. (Quelle: Trauerredner Campus) Das entspricht bei einem Honorar von 350 Euro netto rund 215 Aufträgen im Jahr. Für einen Berufsanfänger kein realistischer Einstieg.
Die Ausbildungslandschaft: dezentral, privat, ohne staatliche Regelung
Hier unterscheidet sich die Trauerredner-Ausbildung grundlegend von der des Bestatters.
Es gibt keine Handwerkskammer, die Prüfungen abnimmt. Keine Verordnung, die Inhalte regelt. Keine Pflichtlehrgänge, keine Innungslandschaft. Der gesamte Ausbildungsmarkt ist privat organisiert – mit einer Vielzahl von Anbietern, die sich in Format, Tiefe, Dauer, Kosten und Abschluss erheblich unterscheiden.
Was es gibt: IHK-zertifizierte Weiterbildungen. Diese sind kein staatlich anerkannter Berufsabschluss, aber ein von der IHK bescheinigtes Qualitätsmerkmal. Verschiedene Anbieter kooperieren mit unterschiedlichen IHK-Stellen; der Abschluss heißt je nach Anbieter Trauerredner (IHK) oder Freier Redner (IHK).
Bedenken Sie Folgendes: Ein erfahrener Trauerredner mit 20 Jahren Praxis ohne jedes Zertifikat kann besser sein als jemand mit drei Zertifikaten ohne Erfahrung. Ein Zertifikat ist ein Signal – kein Garant.
Die wichtigsten Anbieter im Überblick
Die folgende Übersicht konzentriert sich auf bekannte Anbieter mit klar dokumentierten Ausbildungsprogrammen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit
Freie Redner (Menschen & Geschichten) – bundesweit, hybrid
Einer der bekanntesten und am längsten am Markt tätigen Anbieter, seit 2005 aktiv. Die Ausbildung zum Freien Redner (IHK) umfasst alle drei Disziplinen: Trauerredner, Trauredner, Willkommensredner. Format: Online-Module plus Präsenzwochenende.
Abschluss: Trauerredner (IHK), Prüfung vor der IHK Rhein-Neckar
Dauer: Mehrere Wochen (hybrid: Online + 5 Präsenztage, ab 2027: 6 Tage)
Kosten: Ca. 3.480 Euro inkl. MwSt., Ratenzahlung möglich
Förderung: Bundeslandabhängig möglich (z.B. NRW-Förderprogramm, Niedersachsen bis 50 %)
Standorte: Heidelberg, Essen und weitere
RedeKunstWerk – bundesweit, Präsenz + IHK
Etablierter Anbieter mit IHK-Abschluss. Schwerpunkt liegt auf Trauerredner. 8-tägiges Intensivseminar in zwei Blöcken à 4 Tage plus Prüfungstag.
Abschluss: Freier Redner / Trauerredner (IHK)
Dauer: 8 Tage Präsenz + Prüfungstag, verteilt über mehrere Monate
Kosten: 3.590 Euro inkl. Prüfungsgebühr
Förderung: Möglich je nach Bundesland
Trauerredner Campus (ausbildung-trauerredner.de) – Gießen, hybrid
18 Wochen Ausbildung mit wöchentlichem Online-Treffen (donnerstags) und drei Präsenz-Wochenenden in Gießen. Geführt von Birgit Janetzky, die seit fast 30 Jahren als Trauerrednerin tätig ist. Fokus speziell auf Trauerreden – kein breites Redner-Portfolio. Das eigens entwickelte Balance-Prinzip für individuelle Reden steht im Mittelpunkt.
Abschluss: Eigenes Ausbildungszertifikat (kein IHK)
Dauer: 18 Wochen, berufsbegleitend
Kosten: Auf Anfrage / nach Bewerbungsgespräch (Warteliste)
Besonderheit: Bewerbungsgespräch vorausgesetzt; kleine Gruppen
Bestatter-Akademie Gummersbach – online und Präsenz
Die Bestatter-Akademie bietet Trauerredner-Seminare ausdrücklich für Bestatter an, die selbst Trauerreden halten wollen – nicht als eigenständigen Berufsweg. Grundkurs, Schreibwerkstatt und Aufbaukurse, online und in Präsenz.
Abschluss: Eigenes Zertifikat der Bestatter-Akademie
Dauer: 1–2 Tage (Grundkurs), modular aufbauend
Kosten: Ab ca. 390 Euro (Einzelseminar)
Besonderheit: Primär für Bestatter; kein eigenständiger Berufsweg
Forum Dunkelbunt / Haus am Gottesacker – Dortmund, Präsenz
Regional verankerter Anbieter in Dortmund – in einer echten Trauerhalle, mit Sarg oder Urne, Blumen und Kerzen. Vier Wochenenden, drei Trauerreden werden verfasst und gehalten.
Abschluss: Eigenes Zertifikat
Dauer: 4 Wochenenden (je Sa/So, 10–17 Uhr)
Kosten: 2.400 Euro inkl. MwSt. (Getränke und Imbiss inklusive)
Besonderheit: Echte Trauerhalle als Seminarort; starker Praxisbezug
Trauer-Akademie Berlin
Marco Ammer bietet in Berlin eine mehrmonatige Ausbildung mit eigenem Zertifikat an.
Abschluss: Eigenes Zertifikat
Dauer: Mehrere Tage verteilt über Monate, plus Übungsabende
Kosten: 2.680 Euro inkl. MwSt.
Sprecher-Akademie / BTR – online, kompakt
Kompakterer Ansatz: 16 Stunden (10 Theorie, 6 Praxis), online, mit eigenem Zertifikat. Für Interessierte mit starkem Vorprofil, die gezielte Impulse suchen.
Abschluss: Eigenes Zertifikat
Dauer: 16 Stunden
Kosten: 660 Euro
Daniel Mossa – verschiedene Formate
Erfahrener Trauerredner (20 Jahre Praxis) mit verschiedenen Einstiegsformaten: kostenloses Online-Seminar, Online-Kurs (flexibel), Praxisseminar vor Ort. Kein IHK-Abschluss – bewusste Entscheidung, transparent kommuniziert.
Abschluss: Eigenes Zertifikat
Dauer: Format-abhängig (Praxisseminar: 2 Tage; Online-Kurs: selbst getaktet)
Kosten: Auf Anfrage / abhängig vom Format
Besonderheit: Kein IHK; starker Fokus auf Praxissystem (9-Schritte-Konzept)
Übersicht: Alle Wege auf einen Blick
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Anbieter |
Format |
Dauer |
Kosten ca. |
Abschluss |
Besonderheit |
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Freie Redner (Menschen & Geschichten) |
Hybrid |
Mehrere Wochen |
3.480 € |
Trauerredner (IHK) |
Alle 3 Disziplinen; Förderung möglich |
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RedeKunstWerk |
Präsenz (2 Blöcke + Prüfung) |
8 Tage + Prüfungstag |
3.590 € |
Trauerredner (IHK) |
Inkl. Prüfungsgebühr |
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Trauerredner Campus |
Hybrid (Online + 3 Wochenenden) |
18 Wochen |
auf Anfrage |
Eigenes Zertifikat |
Nur Trauerrede; Bewerbungsgespräch |
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Forum Dunkelbunt Dortmund |
Präsenz (Trauerhalle) |
4 Wochenenden |
2.400 € |
Eigenes Zertifikat |
Echter Seminarort |
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Trauer-Akademie Berlin |
Präsenz |
Mehrere Monate |
2.680 € |
Eigenes Zertifikat |
Regional verankert |
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Bestatter-Akademie Gummersbach |
Präsenz + Online |
1–2 Tage (modular) |
ab 390 € |
Eigenes Zertifikat |
Für Bestatter; kein eigenständiger Berufsweg |
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Sprecher-Akademie / BTR |
Online |
16 Stunden |
660 € |
Eigenes Zertifikat |
Kompakteinstieg |
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Daniel Mossa |
Online + Präsenz |
Format-abhängig |
auf Anfrage |
Eigenes Zertifikat |
Kein IHK; Praxisfokus |
Was kosten Ausbildungen – und was ist steuerlich absetzbar?
Die Spanne reicht von 660 Euro für ein Kompaktseminar bis zu rund 3.600 Euro für vollständige IHK-Ausbildungen. Hinzu kommen Nebenkosten: Anreise und Übernachtung bei Präsenzterminen, die von den meisten Anbietern nicht im Preis enthalten sind.
Wer die Ausbildung als berufliche Weiterbildung absolviert, kann die Kosten in vielen Fällen steuerlich geltend machen – als Werbungskosten oder Betriebsausgaben. Für Selbständige und Menschen in Berufsumstiegssituationen gibt es je nach Bundesland Förderprogramme. Einige Anbieter beraten dazu gezielt vor der Anmeldung.
Was verdient ein Trauerredner?
Das Honorar pro Trauerfeier variiert erheblich: Marktbeobachtungen nennen Honorare von etwa 200 bis 800 Euro je Trauerfeier – je nach Region, Erfahrung, Auftragsquelle und Aufwand.. Belastbare, statistisch erhobene Branchendaten existieren für diesen unregulierten Markt meines Wissens nicht.
Realistisch sind – nach Abzug von Steuern, Sozialversicherungen und Betriebskosten etwa 50 Prozent des Bruttohonorars als tatsächlicher Nettoverdienst. (Quelle: Omilia Academy)
Wer direkt von Angehörigen gebucht wird, liegt am oberen Ende. Wer über Bestattungshäuser vermittelt wird, liegt oft etwas darunter, hat dafür aber regelmäßigere Aufträge.
Viele Trauerredner starten nebenberuflich – mit zwei bis fünf Aufträgen im Monat. Das entspricht hochgerechnet einem Zusatzeinkommen von etwa 400 bis 2.000 Euro. Hauptberuflich tätig sind die wenigsten; es ist eine Nische, die mit Konsequenz und gutem Netzwerk aber für einen relevanten Teil des Einkommens stehen kann.
Entscheidend ist die Empfehlungskette. Wer gut ist und von Bestattern aktiv empfohlen wird, hat volle Auftragsbücher. Wer sich selbst vermarkten muss, kämpft.
Hat ein Zertifikat Relevanz?
Ehrlich? Bei Kunden und Angehörigen hat ein Zertifikat kaum Wirkung. Die meisten können den Unterschied zwischen einem IHK-Zertifikat und einem Eigensiegel nicht einschätzen. Was zählt, ist die Empfehlung des Bestatters und der erste persönliche Eindruck.
Bei Bestattern sind die Einschätzungen gemischt: Manche achten auf nachgewiesene Ausbildungen, andere sehen vor allem Referenzen, Probereden und praktische Erfahrung als entscheidend an. Nach Aussage erfahrener Trauerredner aus dem Markt haben Zertifikate zunehmend weniger Unterscheidungskraft: Es gibt inzwischen so viele zertifizierte Trauerredner, dass ein Zertifikat allein kein Differenzierungsmerkmal mehr ist.
Ein Zertifikat ist ein Signal – kein Garant. Es gibt Struktur und Lerntiefe. Aber es ersetzt nicht die Praxis.
Was wirklich zählt: die Qualität der gehaltenen Reden, die Zuverlässigkeit, das Auftreten – und das Vertrauen, das man sich bei Bestattern und Angehörigen über Zeit erarbeitet.
Das heißt nicht, dass ein Zertifikat wertlos ist. Es gibt Struktur, Lerntiefe und einen nachvollziehbaren Qualitätsrahmen. Aber es ersetzt nicht die Praxis. Und es ist nicht das, was entscheidet.
Online oder Präsenz?
Für Trauerredner ist diese Frage anders zu beantworten als für Bestatter.
Viele Ausbildungsinhalte – Rede schreiben, Trauerpsychologie, Gesprächsführung, Rechtliches – lassen sich gut online vermitteln. Einige Anbieter haben das konsequent in hybride Formate überführt: Online-Module für Theorie und Wissen, Präsenztage für Stimmtraining, Bühnenpräsenz und echte Übungsreden.
Was sich nicht online ersetzen lässt: der Moment, wenn man vor einer Gruppe steht – in einer echten Trauerhalle, mit Sarg, Kerzen und aufmerksamen Augen – und merkt, ob man mit dem, was man sagt, wirklich ankommt.
Wer kann, sollte mindestens einen Präsenzanteil wählen. Wer räumlich oder zeitlich eingeschränkt ist, kann mit einer reinen Online-Ausbildung starten – sollte aber frühzeitig eigene Übungssituationen schaffen.
Wie gewinnen Trauerredner ihre ersten Aufträge?
Das Bestattungshaus wirkt in der Regel als Vermittler zwischen Kunden und Trauerredner. Wer gut vernetzt ist, bekommt regelmäßige Aufträge ohne eigene Akquise.
Ein gutes Netzwerk zu Bestattern ist in vielen Regionen einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren – neben Direktbuchungen durch Familien und zunehmend auch Online-Präsenz über die eigene Website.
Erfahrungsgemäß empfehlen von 50 angesprochenen Bestattungshäusern etwa fünf bis zehn einen frischgebackenen Trauerredner. Das setzt voraus, dass man alle anspricht.
Mein Rat
Trauerredner werden wollen viele. Die Motivation ist fast immer die gleiche: Sinn stiften, Menschen begleiten, in einem Moment da sein, der zählt.
Das ist ein guter Ausgangspunkt. Aber er reicht nicht.
Wer diesen Beruf ernstnimmt, prüft sich selbst zuerst: Kann ich mich abgrenzen? Kann ich nach einer Trauerfeier, bei der ein Kind bestattet wurde, am nächsten Tag wieder aufstehen und die nächste Rede vorbereiten? Kann ich mit Stille umgehen, mit Tränen, mit Schweigen?
Wenn das Ja ist – dann lohnt sich die Ausbildung. Und dann gilt: Die Qualität der Ausbildung entscheidet nicht allein über den Berufserfolg. Das Netzwerk zu Bestattern entscheidet.
Wenn Sie ernsthaft über den Einstieg nachdenken:
- Besuchen Sie einen kostenlosen Infoabend – fast alle Anbieter bieten das an. Kostet nichts und bietet Einblicke.
- Prüfen Sie, ob Sie eher vollberuflicher Trauerredner werden wollen oder ob nebenberuflich bzw. ein Baustein Ihrer Erwerbstätigkeit sein soll – das beeinflusst die Wahl des Anbieters erheblich.
- Wählen Sie einen Anbieter, bei dem der Dozent oder die Dozentin selbst aktiv als Trauerredner tätig ist – Praxis schlägt Theorie.
- Planen Sie von Anfang an das Gespräch mit Bestattern in Ihrer Region – die Ausbildung öffnet Ihnen nicht automatisch Türen.
- Recherchieren/Fragen Sie vor der Anmeldung, welche Förderungsmöglichkeiten in Ihrem Bundesland bestehen.
Dieser Beruf braucht gute Menschen. Und er braucht sie gut vorbereitet.
TIPP FÜR DIE PRAXIS
Praxistipp: Machen Sie ein Praktikum – mindestens zwei Wochen, besser vier. Kein Ratgeber und keine Ausbildungsbroschüre kann ersetzen, was Sie in diesen Wochen lernen: ob dieser Beruf wirklich zu Ihnen passt. Erst dann entscheiden.
Claudia Grötzebach begleitet Bestatter seit 30 Jahren mit Fortbildungen, Büchern und Beratung – mit dem Blick, den ihre Kunden haben.
Haben Sie Fragen? Schreiben Sie mir – oder melden Sie sich für ein Beratungsgespräch an.