DATENSCHUTZ · DIGITALES · DATENSCHUTZ-SERIE TEIL 2 VON 4

Versprochen, gebrochen, wiederholt

Warum Metas Datenschutz-Ankündigungen mit Vorsicht zu genießen sind – und was das für Ihr Bestattungsunternehmen bedeutet

15. Juli 2026   ·   5 Minuten Lesezeit   ·   Datenschutz-Serie · Teil 2 von 4

Meta hat kürzlich neue Datenschutz-Maßnahmen für Jugendliche angekündigt. Gut so. Wirklich.

Und trotzdem lohnt sich ein Blick auf das, was diesem Schritt vorausging.

Das Muster seit 2018

2018 wurde bekannt, dass die Daten von 87 Millionen Facebook-Nutzern ohne deren Wissen an Cambridge Analytica geflossen waren – zur politischen Beeinflussung genutzt. Mark Zuckerberg saß im US-Kongress. Es folgten Versprechen.

2020 zahlte Meta fünf Milliarden Dollar Strafe an die US-amerikanische FTC – bis dahin das höchste Bußgeld der Geschichte für ein Technologieunternehmen. Es folgten Versprechen.

2021 verhängte die irische Datenschutzbehörde 225 Millionen Euro Strafe gegen WhatsApp wegen mangelhafter Informationspflichten. Es folgten Versprechen.

2023 folgte das bis heute höchste DSGVO-Bußgeld: 1,2 Milliarden Euro gegen Meta wegen der Übertragung europäischer Nutzerdaten in die USA. Es folgten Versprechen.

2026 rügte die EU-Kommission Meta wegen fehlender Altersverifikation auf Instagram und Facebook. Und Meta kündigte neue Kinderschutz-Maßnahmen an.

Das ist kein Zufall. Das ist ein Muster.

„Meta kündigt Datenschutz-Verbesserungen an, wenn der Druck von außen zu groß wird. Das ist Reaktion – keine Überzeugung.“

Claudia Grötzebach

Was das bedeutet – und was es nicht bedeutet

Es bedeutet nicht, dass man Facebook, Instagram oder WhatsApp nicht nutzen sollte. Es bedeutet, dass man diese Plattformen mit offenen Augen nutzt. Mit dem Wissen, dass Datenschutz dort kein Kernwert ist, sondern eine regulatorische Anforderung, der man reaktiv nachkommt.

Für Bestatter, die täglich erleben, was es bedeutet, wenn Menschen Vertrauen schenken – in einem der verletzlichsten Momente ihres Lebens – ist das eine wichtige Unterscheidung.

Was Bestatter konkret tun können

Ihre Social-Media-Präsenz

Nutzen Sie Meta-Plattformen für Ihre Sichtbarkeit – aber übertragen Sie keine Kundendaten dorthin. Kein Retargeting auf Basis von Trauerfall-Kontakten. Keine Custom Audiences aus Ihrem Kundenkreis.

Ihre Website

Facebook-Pixel, Instagram-Buttons und LinkedIn-Insight-Tag übertragen Daten an Dritte – oft noch bevor jemand zugestimmt hat. Prüfen Sie Ihr Cookie-Consent-System: cookiebot.com/de/cookie-checker

Ihre interne Kommunikation

WhatsApp auf dem Diensthandy ist praktisch. Was dabei passiert, lesen Sie in Teil 4 dieser Serie. Als Alternative für die interne Teamkommunikation ist Signal – funktional nahezu identisch, aber ohne das Meta-Geschäftsmodell – eine ernsthafte Option.

TIPP FÜR DIE PRAXIS

Ersetzen Sie Google Analytics durch Matomo. Matomo ist eine datenschutzfreundliche Alternative, die Sie selbst hosten können – Ihre Besucherdaten verlassen dann Ihren Server nicht. Für kleine Bestattungsunternehmen ist die kostenlose Version vollständig ausreichend. Mehr unter: matomo.org

Datensparsamkeit ist kein Nachteil im digitalen Marketing. Sie ist ein Versprechen. Eines, das kein Meta-Tool ersetzen kann.

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