TODTAL-KI-SYMPOSIUM – VERANSTALTUNGSVertiefung – Portraits
„Intelligenz entsteht durch den Output“ – Tobias Jonas über die Grenze der KI
Warum KI vor allem administrativ entlasten soll – und was passiert, wenn ihr die Emotionalität fehlt
13. Oktober 2026 · 3 Minuten Lesezeit · TODTAL-KI-Serie · Vertiefung 4
Ein nüchterner Blick
Tobias Jonas betrachtete die KI in Düsseldorf vor allem unter dem Aspekt des praktischen Nutzens und ordnete sie pragmatisch der administrativen Entlastung zu: „Intelligenz entsteht durch den Output.“ Parallel dazu warf er die Frage auf, ob KI schädlich werde, wenn ihr die Emotionalität fehle.
In Teil 1 meines Symposiumsberichts konnte ich auch diesen Beitrag nur anreißen. Hier die Vertiefung: Wer spricht da eigentlich, was steckt hinter seinem Satz – und wo verläuft die Grenze im Bestattungsalltag?
Wer steht dahinter?
Jonas ist Mitgründer und Co-CEO der innFactory GmbH und der innFactory AI Consulting GmbH in Rosenheim, die Unternehmen zu KI- und Cloud-Projekten berät. Außerdem verantwortet er die Digitalisierung und die KI-gestützten Funktionen bei CleverOne – einer cloudbasierten Software für Bestattungsunternehmen. Laut Anbieter bündelt sie Auftragserfassung, Planung, Abrechnung, Aufgabenmanagement, Fotodokumentation, Kundenportal und Trauerdruck; mehr als 170 Bestattungshäuser arbeiten damit.
Zur Einordnung gehört deshalb: Jonas spricht nicht als neutraler Beobachter, sondern als jemand, der Software für Bestatter verantwortet. Dass er trotzdem – oder gerade deshalb – nach den Grenzen der Technik fragt, macht seinen Beitrag interessant. Mit innFactory steht er außerdem hinter der technischen Basis von CompanyGPT, einem DSGVO- und AI-Act-konformen KI-Assistenten für Unternehmen.
Entlastung statt Ersatz
Jonas verfolgt zwei Gedanken parallel, die sich auf den ersten Blick widersprechen und doch zusammengehören. Erstens die technisch-nüchterne Haltung: KI ist nicht klug an sich, sondern nur so gut wie das, was am Ende dabei herauskommt. Zweitens die Frage nach dem Punkt, an dem genau diese Nüchternheit zum Problem wird.
Ich verstehe das so: Bei Terminplanung, Aufgabenverteilung oder Dokumentation lässt sich der Output prüfen – der Termin steht, das Protokoll stimmt. In der Trauerbegleitung gibt es – in diesem Sinn – keinen Output. Hier zählt die Beziehung, und genau hier kann KI Schaden anrichten, wenn sie Nähe simuliert. Die Podiumsdiskussion zeigt zwei Seiten – Jonas’ Entlastungsperspektive und die Avatar-Angebote von z.B. Lebensstimmen, um die es in der nächsten Vertiefung geht.
Transfer: Wo verläuft die Grenze im Bestattungshaus?
Für den Alltag lässt sich daraus eine Trennlinie ableiten:
- Output zählt –die KI darf entlasten: Termine und Aufgaben, Dokumentation und Fotodokumentation, Recherche, Entwürfe für Texte, die Sie prüfen und freigeben.
- Emotion zählt – der Mensch zählt: das Gespräch mit den Angehörigen, das Beileid, die Begleitung in der Trauer, die Entscheidung, was würdevoll ist.
Viele Bestattersoftware-Pakete bringen KI-Funktionen inzwischen mit. Wer sie nutzt, sollte drei Dinge klären: Wo werden die Daten verarbeitet? Wer im Betrieb hat Zugriff? Und lässt sich eine Funktion gezielt abschalten, wenn sie nicht zum eigenen Anspruch passt? Der Zusammenhang zur Zugriffssteuerung, die Volker Blees gezeigt hat, liegt auf der Hand.
Für wen lohnt sich das ?
Im Alltag wirkt es so leicht. Wir nutzen KI-Werkzeuge einzeln, unkoordiniert. Ist doch alles nicht so schlimm. Doch Führungskräfte müssen eine bewusste Entscheidung über den KI-Einsatz im eigenen Haus treffen wollen, sie dürfen nicht zulassen, daß einzelne Werkzeuge unkoordiniert genutzt werden. Das baucht eine persönliche Haltung, nicht nur eine technische Frage: Wo hört „Intelligenz durch Output“ auf – und wo beginnt der Bereich, in dem der Mensch nicht zu ersetzen ist?
Wie sich KI im Betrieb sicher und sinnvoll einsetzen lässt, vertiefe ich in der Themenwelt „KI für Bestatter“ [Link] und in meiner Fortbildung [Link].
Nächste Vertiefung: Philipp Berkessy und Lebensstimmen – vier Geschäftsfelder zwischen Dokumentation und Avatar.