– Gesellschaftlicher Wandel erreicht die Branche

Impressionen von der Forum BEFA 2026

Tannenzapfen. Pilzmyzel. Holz ohne Lack. Asche, die zu Erde wird.

Wer über die Forum Befa 2026 schlenderte, konnte einen Wandel spüren, der leise begonnen hat – und inzwischen nicht mehr zu übersehen ist. Nachhaltige Bestattung ist kein Randthema mehr. Sie ist in der Mitte der Branche angekommen.

Ein Trend aus der Gesellschaft

Nachhaltigkeit hat in den vergangenen Jahren nahezu alle Lebensbereiche erfasst. Beim Einkaufen, beim Reisen, beim Bauen – die Frage nach dem ökologischen Fußabdruck ist alltäglich geworden. Dass sie nun auch beim letzten Weg gestellt wird, ist keine Überraschung. Es ist eine logische Konsequenz.

Die Menschen, die heute Bestattungen organisieren – oft Kinder oder Partner von Verstorbenen im Alter zwischen 40 und 60 Jahren – sind dieselben, die im Alltag auf Herkunft und Ressourcen achten. Ihr Bewusstsein hört nicht an der Friedhofspforte auf.

Und: Immer mehr Menschen treffen Vorsorgeentscheidungen zu Lebzeiten. Auch hier spielt der Wunsch nach einer naturnahen, schonenden Bestattung eine wachsende Rolle.

Was die Zahlen sagen

Der Wandel ist messbar. Laut einer Forsa-Umfrage aus dem Jahr 2024 wünscht sich inzwischen etwa jeder Vierte eine Form der Baumbestattung – 16 Prozent unter einem Baum im Bestattungswald, weitere 9 Prozent auf einem klassischen Friedhof.

Der Anteil der Feuerbestattungen ist von rund 75 Prozent (2019) auf etwa 80 Prozent (2023) gestiegen. Das ist keine Nebenzahl – denn viele naturnahe Bestattungsformen bauen auf der Urnenbestattung auf: Waldbestattung, Baumbestattung, Seebestattung, biologisch abbaubare Urnen jeder Art.

Konkrete Wachstumszahlen bestätigen den Trend: In einem deutschen Bestattungswald verdoppelte sich die Zahl der Beisetzungen zwischen 2018 und 2024 nahezu. Solche Entwicklungen sind kein Einzelfall.

Gleichzeitig sinkt der Anteil kirchlich begleiteter Bestattungen – 2022 lag er bei 46,5 Prozent, mit weiter fallender Tendenz. Traditionelle Formen verlieren an Bedeutung, individuelle und naturnahe Konzepte gewinnen.

Was sich wirklich verändert

Der eigentliche Megatrend ist weniger die „grüne Bestattung“ an sich. Es ist die Abkehr von standardisierten, anonymen Formen – hin zu etwas Individuellerem, Pflegearmerem, Naturnaherem.

Die ökologische Motivation spielt eine Rolle. Aber Mobilität der Angehörigen, veränderte religiöse Bindungen und der Wunsch nach einem würdevollen, persönlichen Abschied ohne Pflegeverpflichtung sind mindestens genauso starke Treiber.

Auf der Befa 2026 war spürbar: Die Branche hat das verstanden. Von handgefertigten Naturprodukten kleiner Anbieter bis hin zu durchdachten Lösungen etablierter Hersteller – das Angebot wächst, wird breiter und professioneller.

Was die Produkte zeigen: Nachfrage nach natürlichen Materialien wächst

Die Nachfrage nach nachhaltigen Bestattungsprodukten ist nicht nur gefühlt gestiegen – sie ist messbar. Laut aktuellen Marktdaten bevorzugen rund 65 Prozent der Verbraucher inzwischen umweltfreundliche und biologisch abbaubare Urnen. 45 Prozent zeigen Interesse an personalisierten, individuellen Designs. Der Markt für abbaubare Urnen verzeichnet eine robuste Expansion – angetrieben durch wachsendes Umweltbewusstsein und eine kulturelle Verschiebung hin zu nachhaltigen Lösungen am Lebensende.

Ein Blick in die USA – wo Bestattungstrends Deutschland oft um einige Jahre vorauseilen – zeigt: Laut der National Funeral Directors Association berücksichtigen dort bereits über 60 Prozent der Menschen umweltfreundliche Bestattungsoptionen bei ihrer Planung.

Die Materialvielfalt spiegelt das wider: Biologisch abbaubare Urnen aus Holz, Ton, Papier, Bambus, Bananenblättern, Spelzen, Kork oder Pilzmyzel – das Angebot hat sich in den vergangenen Jahren vervielfacht. Was früher Nische war, ist heute Sortimentsbestandteil bei wachsend vielen Bestattungshäusern.

Die wichtigsten nachhaltigen Bestattungsformen im Überblick

Für Bestatter, die sich orientieren möchten, hier ein kurzer Überblick über die gängigen Formen:

  • Waldbestattung / Baumbestattung: Beisetzung der Asche in biologisch abbaubarer Urne an Baumwurzeln. Keine Grabpflege, naturnahe Ruhestätte. Rechtlich in Deutschland etabliert.
  • Biologisch abbaubare Urnen: Ton, Holz, Papier, Spelzen, Naturmaterialien – das Angebot ist in den letzten Jahren stark gewachsen und reicht von schlicht bis außergewöhnlich.
  • Reerdigung: Innovative Form, bei der der Körper in einem Kokon innerhalb von etwa 40 Tagen zu Erde wird. In Deutschland seit 2022 möglich, rechtlich noch nicht in allen Bundesländern vollständig etabliert.
  • Nachhaltige Erdbestattung: Unlackierter Holzsarg aus regionaler Forstwirtschaft, Naturtextilien, heimische Grabpflanzen – auch die klassische Bestattung lässt sich nachhaltig gestalten.
  • Seebestattung: Beisetzung in wasserlöslicher Urne. Geringe Flächenversiegelung, aber Emissionen durch Schifffahrt zu berücksichtigen

Wo Ehrlichkeit gefragt ist

Nicht alles, was sich nachhaltig nennt, hält einer genauen Prüfung stand. Ein paar Hinweise, die Bestatter kennen sollten:

  • Waldbestattungen gelten als naturnah – doch geht ihnen fast immer eine Kremation voraus, die Energie und Emissionen erzeugt.
  • CO₂-Bilanzen unterschiedlicher Bestattungsformen sind kaum standardisiert und schwer vergleichbar.
  • Naturnahe Grabplätze sind nicht immer günstiger als klassische Friedhofsgräber.
  • Kommunale Friedhöfe sind ökologisch oft wertvoller als ihr Image vermuten lässt – sie sind wichtige Lebensräume für Insekten, Vögel und Pflanzen.

Wer Kunden ehrlich berät, statt nur Trends zu bedienen, schafft Vertrauen. Das ist am Ende das Nachhaltigste.

Was das für Bestatter bedeutet

Nachhaltigkeit wird zur Erwartung – besonders bei einer jüngeren Zielgruppe, die noch keinen akuten Bestattungsbedarf hat, aber bereits heute Vorsorgeentscheidungen trifft oder beeinflusst.

Das bietet eine echte Chance für bestattungsunabhängiges Marketing: Wer heute informiert, begleitet und Orientierung gibt, schafft Vertrauen – lange vor dem Sterbefall. Informationsabende, Blogartikel, Social-Media-Beiträge zu nachhaltigen Bestattungsformen sind kein Luxus. Sie sind Beziehungsarbeit.

Die Befa 2026 hat gezeigt: Die Produkte und Konzepte sind da. Die Nachfrage wächst. Die Frage ist, welche Bestatter sie als erste verständlich und vertrauenswürdig kommunizieren.

Ein letzter Gedanke

Auf der Befa 2026 traf ich draußen vor der Halle einen jungen Mann – ohne Messestand, mit einer handgefertigten Urne aus echten Tannenzapfen. Er wartete. Er hoffte auf Interesse.

Er stand für etwas, das größer ist als sein Produkt: den Wunsch, dass der letzte Weg wieder etwas mit der Natur zu tun haben darf. Mit dem Kreislauf des Lebens.

Das wünschen sich immer mehr Menschen. Bestatter, die eine Antwort darauf haben, werden gebraucht.

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