Datenschutz – Digitales
Ihr Handy weiß mehr über Ihre Kunden als Sie denken
Datenschutz, Social Media und die Frage, die sich jedes Bestattungsunternehmen stellen sollte
1. Juli 2026 · 5 Minuten Lesezeit · Datenschutz-Serie · Teil 1 von 4
Ein Moment, den viele kennen: Man spricht kurz über eine Trauerfeier – und wenig später erscheint auf dem Handy Werbung: Hatten Sie nicht gerade eben darüber gesprochen? – Zufall? Wahrscheinlich. Aber das Unbehagen bleibt. Und es hat einen Grund.
Facebook, WhatsApp, TikTok – die Apps, die viele von uns täglich nutzen, sind keine kostenlosen Dienste. Sie handeln mit Daten. Für Bestatter ist das kein abstraktes Datenschutzproblem. Es ist eine Frage der Haltung.
Was im Hintergrund passiert
Wenn Sie die Facebook-App auf Ihrem Diensthandy installiert haben und die Nummer eines Hinterbliebenen speichern, passiert Folgendes: Facebook gleicht regelmäßig Ihr Telefonbuch mit seinen Nutzerdatenbanken ab. Die Nummer landet in einem Datenprofil – auch wenn die betreffende Person selbst nie bei Facebook war.
Das ist kein hypothetisches Szenario. Es ist die dokumentierte Funktionsweise der App – und es betrifft Ihr Diensthandy genau dann, wenn es sensibel wird: im Kontakt mit trauernden Menschen.
TikTok und Instagram funktionieren ähnlich. Wer Zugriff auf Ihre Kontakte hat, weiß, wen Sie kennen. Und wer Ihren Standort kennt, weiß, wo Sie sich aufhalten – einschließlich der Adressen der Familien, die Sie besuchen.
„Wer in einer Ausnahmesituation auf Ihrer Website landet, hat nicht gebeten, in ein Werbenetzwerk aufgenommen zu werden.“
Claudia Grötzebach
Was das für Ihre Website bedeutet
Neben dem Handy ist die eigene Website oft der zweite blinde Fleck. Wer ein Facebook-Pixel oder Google Analytics ohne korrekt konfiguriertes Cookie-Consent eingebunden hat, überträgt Daten an Dritte – noch bevor jemand auf etwas geklickt hat.
Wer besucht die Website eines Bestattungsunternehmens? Menschen in einer akuten Trauersituation. Facebook kann diese Menschen anschließend mit gezielter Werbung ansprechen. Das ist kein Nebeneffekt. Das ist das Produkt – von Facebook.
Was Sie heute noch tun können
- App-Berechtigungen prüfen – auf jedem Dienstgerät. Einstellungen → Apps → kein Kontaktzugriff für Facebook, Instagram, TikTok
- Facebook Container für Firefox installieren – kostenlos, verhindert Verfolgung außerhalb Facebook. Dauer: 5 Minuten
- Suchmaschine wechseln – DuckDuckGo oder Startpage statt Google auf dem Dienstgerät
- Website prüfen – Kostenloser Cookie-Check: cookiebot.com/de/cookie-checker
- Mit dem Team sprechen – Welche Apps haben wir auf Dienstgeräten? Ein kurzes Gespräch schützt und setzt ein Zeichen
TIPP FÜR DIE PRAXIS
Richten Sie für den Kundenkontakt ein separates Adressbuch ein – oder nutzen Sie ein Diensthandy ohne private Apps. Was nicht im Adressbuch steht, kann auch nicht übertragen werden. Das kostet nichts und schützt die Menschen, die Ihnen vertrauen.
Datenschutz beginnt nicht bei der Datenschutzerklärung. Er beginnt bei dem, was Sie auf Ihrem Handy installiert haben.