TODTAL-KI-SYMPOSIUM – VERANSTALTUNGSVertiefung – Portraits
„KI ist Führungsaufgabe“ – was Bestatter vom Dachdecker lernen können
Ein Handwerksbetrieb mit eigenem KI-Server zeigt, worauf es beim Zugriff auf KI ankommt
09. Oktober 2026 · 3 Minuten Lesezeit · TODTAL-KI-Serie · Vertiefung 3
Was haben Flachdächer mit Bestattern zu tun?
Mit dieser Frage eröffnete Volker Blees seinen Vortrag beim TODTAL-KI-Symposium in Düsseldorf. Der selbsternannte Technik-Nerd gehört zur Geschäftsführung der OVER DACH GmbH. Das ist ein Fachbetrieb für Flachdach, Fassade und Photovoltaik (Kerpen/Geilenkirchen). Ein Dachdecker zwischen Bestattern, Verbandsvertretern und Trauerforschung auf der Bühne, das wirft Fragen auf. Seiner Meinung nach sogar mehr, als man denkt.
Sein Ausgangspunkt war ein Satz, der in jeder Branche gelten dürfte: „KI ist Führungsaufgabe.“ In Teil 1 meines Symposiumsberichts konnte ich seinen Beitrag nur anreißen. Hier die Vertiefung: Was hat Blees gezeigt, warum ist es für Bestattungsbetriebe relevant – und was lässt sich daraus ableiten?
Eigener Server statt ChatGPT: Was Blees gezeigt hat?
Blees beschäftigte sich nicht mit der Nutzung bestehender KI-Modelle wie ChatGPT, Perplexity oder Claude. Datensicherheit hat für ihn oberste Priorität. Daher ist OVER DACH einen anderen, ehrgeizigen – und aufwendigen Weg gegangen: Der Betrieb arbeitet mit einem selbst gehosteten, lokalen KI-Server (Nvidia-Hardware) – inklusive eigener Zugriffssteuerung. Wer im Unternehmen was mit der KI leisten kann, wird vom Unternehmen festgelegt und nicht dem Zufall überlassen.
Ausgangspunkt waren ganz alltägliche Probleme. Sprachnotizen, die weitergeleitet werden, Termine, die zu vereinbaren sind und ähnliches mehr. Für die Entwicklung einer hauseigenen KI bedeutet das ganz konkret: Sprachnotizen werden vom hauseigenen KI-System automatisch transkribiert und – je nach Inhalt – als Kalendereintrag, Mail oder Bedarfsanforderung abgelegt und einer Aufgabe und Person zugeordnet. Die Aufgaben müssen also konkret definiert werden. Der Effekt: Entlastung der Mitarbeitenden vor Ort ebenso wie der zentralen Verwaltung, Übersetzung inbegriffen. Und das alles, so Blees, leistet das eigene System sicher: ohne Abfluss von Daten und Wissen an Dritte.
Sein Praxistipp fürs Programmieren ganz ohne Vorkenntnisse per KI-Unterstützung kam mit einer trockenen Warnung: Man solle nicht zu blauäugig rangehen.
Wer darf was mit der KI, wird Chefsache
Blees’ Beispiel zeigt, wie komplex die Anwendung von KI ist. Sie erfordert insbesondere in einem solch ehrgeizigen Ansatz viele Grundsatzentscheidungen: Die Frage, wer im Betrieb mit welchen Rechten auf KI zugreift, ist weder eine reine IT-Frage, die man delegiert, noch eine Privatangelegenheit jedes Mitarbeitenden. Aber auch die Auswahl welche Prozesse ausgewählt und definiert werden, all das sind Grundsatzentscheidungen, die in die Führungsebene eines Unternehmens gehören.
Die eigene KI mit eigenem Server ist das Gegenmodell zur sogenannten Schatten-KI: Mitarbeitende nutzen auf eigene Faust private KI-Zugänge, weil die Tools gut, schnell und oft kostenlos sind – ohne dass die Betriebsleitung davon weiß. Blees verbietet nicht, er schafft eine kontrollierte, betriebseigene Alternative.
Warum das für Bestatter noch heikler ist
Bei einem Dachdecker geht es um Baupläne und Angebote. Im Bestattungshaus geht es um Namen von Verstorbenen, Adressen von Angehörigen und mitunter sehr sensible Gesprächsinhalte. Wer solche Daten in ein öffentliches, privat genutztes, nicht freigegebenes KI-Tool eingibt, riskiert Datenschutzverstöße – meist ohne böse Absicht, aber mit realen Folgen.
Drei Fragen, die sich aus Blees’ Ansatz für den eigenen Betrieb ableiten lassen:
- Welche KI-Tools werden tatsächlich genutzt – auch inoffiziell, ohne dass die Betriebsleitung es weiß?
- Wofür werden KI–Tools tatsächlich genutzt?
- Wer braucht Zugriff auf was – und wer nicht?
- Gibt es eine freigegebene, sichere Alternative – oder treibt das Fehlen einer solchen Mitarbeitende in die Eigeninitiative?
Ein eigener KI-Server wie bei OVER DACH ist für die meisten Bestattungsbetriebe nicht realistisch. Oft wird der Weg über datenschutzkonforme Lösungen führen, die sich in vorhandene Software und Abläufe einbinden lassen. Entscheidend ist das Prinzip dahinter: Zugriff auf KI ist eine bewusste Entscheidung der Führung, kein Zufallsprodukt.
Für wen sich das lohnt?
Vor allem für Betriebe mit vielen Mitarbeitenden, in denen Schatten-KI in relevantem Umfang genutzt werden kann. Arbeiten Sie allein, stellt sich Ihnen die Frage nicht – aber auch dann gilt: Welche Daten gebe ich wohin? Und wer die Regeln geklärt hat, kann Entlastung wie bei Blees’ Sprachnotizen erst wirklich nutzen.
Wie sich KI im Betrieb sicher und sinnvoll einsetzen lässt, vertiefe ich in der Themenwelt „KI für Bestatter“ [Link] und in meiner Fortbildung [Link].
Nächste Vertiefung: Tobias Jonas und die Frage, wann KI schädlich wird.
